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Den Weg gehen. Kreuzwegandacht für die Gemeindebereiche Pomßen und Otterwisch

6. April 2020

Ostern zu feiern diesen Tagen, in denen die ganze Welt sich mit einem neuartigen Virus auseinandersetzt, ist eine Herausforderung. Und zugleich sprechen die alten Texte anders zu uns, stellt sich die Frage nach dem Leben mit Leid neu. Was ist das Leben und was ist der Tod? Welchen Sinn hat mein Leben? Wo finden wir heute Trost?

Wir, die diese Andacht gestaltet haben, laden Sie ein, mit uns zu beten, zu singen, sich auf die Suche nach Hoffnung zu begeben.

Schweige und höre

Gebet: Du, Vater des Lebens, mach uns stark, stark im Glauben an ein Leben, das allen Toden dieser Welt, allen Zerstörungen und allem Willen zum Hass gewachsen ist, das Geborgenheit findet, dennoch, in dir. Amen

EG 81,1

Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen, dass man ein solch scharf Urteil hat gesprochen? Was ist die Schuld, in was für Missetaten bist du geraten?

Lesung der aus dem Markusevangelium, Kapitel 14 und 15 in Auswahl        

Brot und Wein

Und […] Jesus nahm das Brot, dankte und brach’s und gab’s ihnen und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. Und nahm den Kelch, dankte und gab ihnen den; und sie tranken alle daraus. Und er sprach zu ihnen: Das ist mein Blut des neuen Testamentes, das für viele vergossen wird. Wahrlich, ich sage euch, dass ich hinfort nicht trinken werde vom Gewächs des Weinstocks bis auf den Tag, da ich’s neu trinke in dem Reich Gottes.

Noch einmal beieinander sein und miteinander essen. Wir wissen: So ist es nur noch dieses eine Mal. Nur noch dieses Essen, nur noch dieser Abend. Nur noch diese Gemeinschaft.

Das Morgen ist offen. Was sein wird? Wir wissen es nicht.

Stille

EG 81,4: Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe / der gute Hirte leidet für die Schafe, / die Schuld bezahlt, der Herre, der Gerechte für seine Knechte.

Jesus wird gefangengenomme

Und alsbald, da er noch redete, kam herzu Judas, der Zwölf einer, und eine große Schar mit ihm, mit Schwertern und mit Stangen von den Hohenpriestern und Schriftgelehrten und Ältesten. Und der Verräter hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ist’s; den greifet und führet ihn sicher. Und da er kam, trat er alsbald zu ihm und sprach zu ihm: Rabbi, Rabbi! und küsste ihn. Die aber legten ihre Hände an ihn und griffen ihn. […]

Jesus sprach zu ihnen: Ihr seid ausgegangen wie zu einem Mörder mit Schwertern und Stangen, mich zu fangen. Ich bin täglich bei euch im Tempel gewesen und habe gelehrt, und ihr habt mich nicht gegriffen, aber auf dass die Schrift erfüllt werde. Und die Jünger verließen ihn alle und flohen.

Wir wissen: So ist es oft unter den Menschen: Einer passt nicht. Und einer muss gehen. Und mancher Freund ist ambivalent. Und zu begreifen ist es nicht. Und dann flieht man selbst und lässt den im Stich, der einem doch das Wichtigste auf der Welt ist. Wie kann das sein? Wie kann ich so sein?

Wir wissen, aber das Wissen genügt nicht.

Stille

Melodie EG 85, Text Bettine Reichelt

Die Nacht ist angebrochen / Am hellen, lichten Tag
Das Urteil wird gesprochen,  / das ich nicht hören mag
Die Lügen werden siegen / Der Tod setzt seinen Schlag
Und ich werd unterliegen /Was ich auch wagen mag

Die Richter und die Henker / Stehn‘ alle schon bereit
Sie sind die Wagenlenker / Im ungerechte Streit
Ich seh‘ die Liebe fallen / Die Hoffnung bricht entzwei,
Die soll doch mir und allen / Die große Hilfe sein.

Jesus wird verurteilt

Und sie führten Jesus zu dem Hohenpriester, dahin zusammengekommen waren alle Hohenpriester und Ältesten und Schriftgelehrten. […]
 Aber die Hohenpriester und der ganze Rat suchten Zeugnis gegen Jesus, auf dass sie ihn zum Tode brächten, und fanden nichts. Viele gaben falsch Zeugnis gegen ihn; aber ihr Zeugnis stimmte nicht überein. […]Und der Hohepriester stand auf, trat mitten unter sie und fragte Jesus und sprach: Antwortest du nichts zu dem, was diese gegen dich zeugen? Er aber schwieg still und antwortete nichts. Da fragte ihn der Hohepriester abermals und sprach zu ihm: Bist du Christus, der Sohn des Hochgelobten Jesus aber sprach: Ich bin’s; und ihr werdet sehen des Menschen Sohn sitzen zur rechten Hand der Kraft und kommen mit des Himmels Wolken. Da zerriss der Hohepriester seinen Rock und sprach: Was bedürfen wir weiter Zeugen? Ihr habt gehört die Gotteslästerung. Was dünkt euch? Sie aber verdammten ihn alle, dass er des Todes schuldig wäre.

Und bald am Morgen hielten die Hohenpriester einen Rat mit den Ältesten und Schriftgelehrten, dazu der ganze Rat, und banden Jesus und führten ihn hin und überantworteten ihn dem Pilatus.

Und Pilatus fragte ihn: Bist du der König der Juden? Er antwortete aber und sprach zu ihm: Du sagst es. Und die Hohenpriester beschuldigten ihn hart. […]

Er pflegte aber ihnen auf das Osterfest einen Gefangenen loszugeben, welchen sie begehrten. Es war aber einer, genannt Barabbas, gefangen mit den Aufrührern, die im Aufruhr einen Mord begangen hatten.Und das Volk ging hinauf und bat, dass er täte, wie er pflegte. Pilatus aber antwortete ihnen: Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden losgebe? Denn er wusste, dass ihn die Hohenpriester aus Neid überantwortet hatten.
Aber die Hohenpriester reizten das Volk, das er ihnen viel lieber den Barabbas losgäbe. Pilatus aber antwortete wiederum und sprach zu ihnen: Was wollt ihr denn, dass ich tue dem, den ihr beschuldigt, er sei der König der Juden? Sie schrieen abermals: Kreuzige ihn! Pilatus aber sprach zu ihnen: Was hat er Übles getan? Aber sie schrieen noch viel mehr: Kreuzige ihn!Pilatus aber gedachte, dem Volk genugzutun, und gab ihnen Barabbas los, und geißelte Jesus und überantwortete ihn, dass er gekreuzigt würde.

Wir hören die Stimmen der Macht und wir kennen sie. Sie können es tun und sie werden es tun.

Und wir hören die Stimmen der Massen, unsere eigene Stimme, mittendrin. Ich. Ich kann es nicht mehr aushalten, dass der, der!, ist. Ich bin so unsagbar enttäuscht von ihm.

Und auch ich schreie, schreie mir die Kehle wund bis sie blutet.

 Stille

EG 83, 1+4

Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld der Welt und ihrer Kinder; es geht und büßet in Geduld die Sünden aller Sünder; es geht dahin, wird matt und krank, ergibt sich auf die Würgebank, entsaget allen Freuden, es nimmet an Schmach, Hohn und Spott, Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod und spricht: »Ich will’s gern leiden.«

Mein Lebetage will ich dich aus meinem Sinn nicht lassen, dich will ich stets, gleich wie du mich, mit Liebesarmen fassen. Du sollst sein meines Herzens Licht, und wenn mein Herz in Stücke bricht, sollst du mein Herze bleiben; ich will mich dir, mein höchster Ruhm, hiermit zu deinem Eigentum beständiglich verschreiben.

Jesus trägt das Kreuz

Die Kriegsknechte aber führten ihn hinein in das Richthaus und riefen zusammen die ganze Schar und zogen ihm einen Purpur an und flochten eine dornene Krone und setzten sie ihm auf, und fingen an, ihn zu grüßen: Gegrüßet seist du, der Juden König! Und schlugen ihm das Haupt mit dem Rohr und verspeiten ihn und fielen auf die Kniee und beteten ihn an.
Und da sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Purpur aus und zogen seine eigenen Kleider an und führten ihn aus, sie ihn kreuzigten.  

Und es endet nicht damit. Wir wissen es.

In den Kellern und in den Haftanstalten, in dunklen Winkeln unbescholtener Städte finden sie sich immer wieder: die Folterhöllen. Und irgendwer arbeitet dort noch immer. Irgendwer.

Wir wissen. Und wir wissen nicht, was wir dagegen tun können.

Stille


EG 97, 1+3

Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht, ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

Denn die Erde klagt uns an bei Tag und Nacht. Doch der Himmel sagt uns: Alles ist vollbracht! Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

Jesus stirbt am Kreuz

Und da sie ihn gekreuzigt hatten, teilten sie seine Kleider und warfen das Los darum, wer etwas bekäme. Und es war um die dritte Stunde, da sie ihn kreuzigten. Und es war oben über ihm geschrieben was man ihm Schuld gab, nämlich: Der König der Juden.
Und sie kreuzigten mit ihm zwei Mörder, einen zu seiner Rechten und einen zur Linken. Da ward die Schrift erfüllet, die da sagt: „Er ist unter die Übeltäter gerechnet.“
Und die vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Häupter und sprachen: Pfui dich, wie fein zerbrichst du den Tempel und baust ihn in drei Tagen! Hilf dir nun selber und steig herab vom Kreuz! […] Und nach der sechsten Stunde ward eine Finsternis über das ganze Land bis um die neunte Stunde. Und um die neunte Stunde rief Jesus laut und sprach: „Eli, Eli lama asabthani?“ das ist verdolmetscht: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Und etliche, die dabeistanden, da sie es hörten, sprachen sie: Siehe er ruft den Elia. Da lief einer und füllte einen Schwamm mit Essig und steckte ihn auf ein Rohr und tränkte ihn und sprach: Halt, lasst sehen, ob Elia komme und ihn herabnehme. Aber Jesus schrie laut und verschied.
Und der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von obenan bis untenaus. Der Hauptmann aber, der dabeistand ihm gegenüber und sah, dass er mit solchem Geschrei verschied, sprach: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!

Und dann sehen wir auf das Ende: Wir wussten es doch, dass es so kommen musste. Dieser kann so nicht bleiben.

Und doch: dieser, gerade dieser bleibt menschlich, so nah, bis zum letzten Atemzug uns nah.

Stille

Nun gehören unsre Herzen ganz dem Mann von Golgatha, der in bittern Todesschmerzen das Geheimnis Gottes sah, das Geheimnis des Gerichtes über aller Menschen Schuld, das Geheimnis neuen Lichtes aus des Vaters ewger Huld.

EG 93, 1+ 4

Nun in heilgem Stilleschweigen stehen wir auf Golgatha. Tief und tiefer wir uns neigen vor dem Wunder, das geschah, als der Freie ward zum Knechte und der Größte ganz gering, als für Sünder der Gerechte in des Todes Rachen ging.

Doch ob tausend Todesnächte liegen über Golgatha, ob der Hölle Lügenmächte triumphieren fern und nah, dennoch dringt als Überwinder Christus durch des Sterbens Tor; und die sonst des Todes Kinder, führt zum Leben er empor.

Schweigen müssen nun die Feinde vor dem Sieg von Golgatha. Die begnadigte Gemeinde sagt zu Christi Wegen: Ja! Ja, wir danken deinen Schmerzen; ja, wir preisen deine Treu; ja, wir dienen dir von Herzen; ja, du machst einst alles neu.

Gebet, im KZ Buchenwald an eine Wand geschrieben:

Ja, wärst du nicht mein Gott, wie könnt die Qualen
der armen Schöpfung ich dir je verzeihen!
Ja, wärst du nicht mein Gott, ich wollte speien
und Not mit Hass und Schmerz mit Bosheit zahlen.
Da wir uns deinem Schutze anbefahlen,
gabst du uns preis, und da wir aufwärts schreien,
bleibst du uns taub, und da wir uns kasteien,
verbirgst du dich in ungewissen Strahlen.
Ja, wärst du nicht mein Gott, wärst Herr von Knechten,
wärst Kirchenbild und Spielzeug für die Dummen,
ich wäre mir zu gut, nur dein zu denken.
Du bist mein Gott! Und darum muss ich rechten
und darum zweifeln, spotten und dich kränken –
und darum an dich glauben und verstummen.

Nach der Melodie von EG 85

Still stehe ich und schweige / Und flieh nicht diesen Ort
Vor dem ich mich verneige / Ich hab der Liebe Wort
Mehr bleibt nicht meinen Händen / Und meinem Herzen nicht
Doch dieses wird es wenden / Und führt ins neue Licht.

Vater unser im Himmel

EG 98

Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt, Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt – Liebe lebt auf, die längst erstorben schien: Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab, wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab. Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn? Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Im Gestein verloren Gottes Samenkorn, unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn – hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien: Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Segen

Kerze löschen

Stille

Labyrinth an der Kirche Großsteinberg, Typ Knidos, Entwurf Erwin Reißmann (Würzburg), Umsetzung Norbert George (Naunhof), Wiesenlabyrinth aus Lärchenspänen
Foto: Norbert George

Autoren: (c) by Susann Donner, Bettine Reichelt und Reinhard Peldszus

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