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Eine Stadt für alle. Kollektivhäuser in Leipzig

28. April 2016

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Leipzig, die Stadt der Künstler und der Moderne, die aufstrebende und beliebte Stadt, Hypzig … Positive Urteile über Leipzig kann man in letzter Zeit an vielen Orten nachlesen, nachhören. Die Stadt, wird einem gesagt, sei eigentlich gar keine echte „Ost-Stadt“ mehr – was immer das bedeuten mag. Ob man das positiv oder negativ aufnimmt, hängt auch von der jeweiligen Sichtweise ab. Leipzig, als Stadt für bestimmte Gruppen, für Erfolgreiche und Starke – aber eine Stadt für alle? Für Menschen mit und ohne Geld? Für Menschen, die sich eine gut sanierte Wohnung leisten können und Menschen, die eher mit den Mängeln eines alternden Gebäudes leben möchten? Ist das noch im Blick? Oder ist der Erfolg auch in kleinen Netzwerken längst das Maß aller Dinge geworden?

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Seit einigen Jahren engagieren sich im Leipziger Westen, vor allem rund um die Georg-Schwarz-Straße, viele gerade in diesem Bereich: eine lebenswerte Stadt für alle erhalten. Stadtweit gibt es mittlerweile über 20 Projekte, die sich für die sog. Kollektivhäuser stark machen. Im Gegensatz zu den Wächterhäusern, bei denen es um eine Zwischennutzung und den Erhalt eines alten Hauses geht, wollen die Hausgemeinschaften auf lange Sicht selbstbestimmt in einem Haus miteinander wohnen. Alle Bewohner sind gleichberechtigt. Auf lange Sicht sollen die Mieten bezahlbar sein. Es geht nicht um einen wie auch immer verdeckt angelegten privaten Gewinn, sondern um eine solidarische Infrastruktur innerhalb der Hausgemeinschaft, aber auch darüber hinaus in der Beziehung zu ähnlichen Projekten.

Den Initiatoren geht es um Orte in der Stadt und um eine Stadt, die für alle Bewohner eine gute Wohnlandschaft ermöglicht. Sie wollen Freiräume schaffen und erhalten

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Eine Stadt für alle – jenseits privaten Gewinns. Die Häuser werden gemeinsam erworben und gehen die Wohnungen auch nach Abzahlung der Kredite nicht in den Besitz des Einzelnen über, sondern bleiben Gemeinschaftseigentum. Oft, aber nicht immer, gründen die Käufer dafür eine Genossenschaft. Allerdings ist die Struktur sehr viel kleiner und überschaubarer als in den großen Wohnungsgenossenschaften. Nötige Entscheidungen werden nicht an eine Verwaltungs- oder Hausmeisterfirma delegiert, sondern gemeinsam gefällt.

In einem Feature im Deutschlandfunk sagte der Künstler Lars Werner über die Ursachen: „Das lag einfach daran, dass da schon in den letzten Phasen von der DDR Häuser mit besetzt wurden, ‚schwarz gewohnt’ hieß das.“ In den 90er sei dieser Zustand gewissermaßen verteidigt worden. Die Bewohner bauten Stück für Stück die Häuser aus. Es entwickelte sich eine eigene Szene. Und er fährt fort: „Und ich glaube, das hat auf alle Fälle viele Leute aus dem Rest Deutschlands nachgezogen. Und das war wahrscheinlich einer der Gründe, warum viele herkamen, die das auch irgendwie wollten: Selbstverwaltung und ein freies Leben.“

Lange Zeit galt gerade der Leipziger Westen als vergessener Stadtteil, marode, beinahe verkommen. Der hohe Anteil an unsanierten Wohnungen und Häusern, das Vergessene schuf einen Freiraum, in dem sich Neues entwickeln konnte. Auf der Website der „Wohnungsgesellschaft mbH Central LS W33“ heißt es zum Selbstverständnis: „Wir wollen einen Raum schaffen und langfristig erhalten, in dem wir unsere Ideen von einem sozial gerechten und ökologisch nachhaltigen Leben in der Praxis ausprobieren können.“ Die GmbH wurde 2011 gegründet. Es ist ihr erklärtes Ziel sich mit ihren Projekten dem Trend der ständigen Mietsteigerung entgegenzusetzen und Raum für eine andere Art von gemeinschaftlichem Leben zu schaffen.

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Gerade die Gemeinschaften rund um die Georg-Schwarz-Straße, dem „Bermudadreieck“, werden in den Medien stark wahrgenommen. Sie engagieren sich nicht nur beim Bau der Häuser (Georg-Schwarz-Str. 11, Merseburger Str. 102/104), sondern auch in zahlreichen Projekten für den Stadtteil. Es ist eine bunte Gruppe, die sich nicht in ein Schema pressen lässt, Menschen aus unterschiedlichsten Lebensbereichen, mit spannenden Lebensgeschichten, die sich hier zusammenfinden und miteinander etwas für die Stadt tun. Es ist das Ausleben einer Utopie für alle, die ermutigt, sich nicht unter die Diktatur des Erfolgs zu stellen, sondern Wege zu suchen, die dem Gemeinsamen dienen. Es ist noch nicht zu spät.

Verwendung der Bilder mit freundlicher Genehmigung der Wohnungsgesellschaft mbH Central LS W33

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