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25 Jahre und kein bisschen leise …

1. März 2016

Da sage einer, das Lesen hätte keine Lobby, die Bücher hätten keine Freunde, Erzählen und Hören hätten kein Publikum mehr. 25 Jahre gibt es „Leipzig liest“. Und ein Ende ist nicht abzusehen. Zum Glück.

Noch immer lieben die Leipziger und alle die, die die Messe besuchen, das Buch. Nicht nur das digitale, auch wenn es praktisch sein kann, nein, ganz altmodisch den Text, der in zwei Kladden gebunden im Schrank steht.

Plakat

Daran ändern auch Riesen wie amazon nichts, die den Wunsch nach einem Buch zum Geschäftsmodell erheben. Und bei denen man erleben kann, wie es ist, ein Buch nicht zu kaufen, sondern zu leihen. Und wenn es dem Riesen nicht gefällt, dann verschwinden die Texte auf einmal.

Daran ändern auch die explosionsartig erscheinenden schlechten Texte nichts, deren Autoren eigentlich für sich und den privaten Bereich schreiben – aber die Sehnsucht haben, auf dem Markt der Möglichkeiten wahrgenommen zu werden.

Und daran ändert noch nicht einmal das Fest der Eitelkeiten der Autoren etwas, die gesehen werden möchten, geachtet, geliebt – und denen es nicht immer leicht fällt, mit der Kritik, dem Desinteresse und der banalen Suche nach dem Kick im Geschäft umzugehen.

Menschen lieben Bücher, lieben Geschichten, finden und verlieren sich in ihnen. Andere erzählen diese Geschichten. Und auf dem Weg zum Buch ergeht es ihnen ebenso: sie finden und verlieren sich, lieben ihre Protagonisten oder hassen sie, begleiten sie auf einem Weg in eine spezielle Form des Lebens.

Das ist so. Aber warum ist es so? Warum höre ich nicht auf zu schreiben – als Autorin? Warum lesen Menschen Bücher? Vor einiger Zeit hatte ich dazu ein für mich sehr bewegendes Gespräch mit Andreas Reimann. Es sagte mir, wie schmerzlich für ihn dieser Markt der Eitelkeiten ist. Menschen, die nichts zu erzählen haben, erzählen. Nicht um des einen Wortes willen, dass man sagen muss, dass gesagt werden will, sondern lediglich um zu unterhalten – oder eben um Erfolg zu haben.

Was ist Literatur? Was ist eine Geschichte? Ein Text? Ein Gedicht? Ein Lied? Im besten Falle eben dieses: Ein Wort, ein Satz, ein Text, der gesagt werden will, den ich, als Autorin, nicht verschweigen kann, weil ich sonst daran ersticke. Literatur als Leben, als Lebenselixier, Bestimmung, Berufung. Warum schreibe ich? Weil ich nicht aufhören kann von dem zu reden, was mich unbedingt angeht.

Literatur, so verstanden, ist mehr als bloße Unterhaltung oder Ablenkung. Sie ist all das auch, aber mehr noch das, was Leben sucht und hinterfragt, erklärt, verwirft, in neuer Form schafft und wieder verliert, um von vorn zu beginnen. „Das untrüglichste Zeichen dafür, dass etwas nicht Kunst ist, ist Langeweile“, sagte Berthold Brecht einmal. „Sie ist so intensiv wie andernfalls das Vergnügen.“ Widmen wir uns also dem Vergnügen.

 

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