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Guter Vorsatz 2016: Schreib mal wieder …

5. Januar 2016

Postkarte von Poesie und Fotografie, Text: Bettine Reichelt, Foto Fabian Haas

Postkarte von Poesie und Fotografie, Text: Bettine Reichelt, Foto Fabian Haas

In den letzten Wochen war ich viel unterwegs. Wie das so ist, in der Weihnachtszeit. Manchmal, beim Warten oder beim Sitzen im Zug, hat man Zeit, sich mit Fremden zu unterhalten. Meist waren es Senioren. Die älteste war 89. Ein langes Leben, voller Wandlungen. Vor den Fenstern tobte zumeist der Weihnachtstrubel. Menschen mit rot-weißen Pudelmützen, Kinder, Jugendliche, viele mit Smartphone, den Blick starr vor sich gerichtet. Geradezu unweigerlich kamen wir auf das Thema „Post“. Wie sich alles gewandelt hat. Früher, erzählten meine Gesprächspartner, hätten sie oft Briefe geschrieben. Und in der Weihnachtszeit oft mehr als 20 Karten oder Briefe verschickt. Jetzt? Jetzt ruft man manchmal an, sagten einige. Andere erzählten stolz: Ich schreibe immernoch. Immernoch über 20 Briefe in den Wochen vor Weihnachten. Ein Ehepaar erzählte glücklich: In diesem Jahr haben wir sogar schon Antworten bekommen! Wochen vor Weihnachten. Viele sagten: Wir schreiben nicht mehr. Vielleicht eine Mail oder eine Chat-Nachricht, gleich an die ganze Gruppe. Aber man müsste einmal wieder schreiben. Einen richtigen Brief, den man noch nach Wochen in die Hand nehmen kann und noch einmal lesen. Man freut sich viel mehr über einen persönlichen Brief. Man müsste einmal wieder schreiben. Wenigstens das. Wenn schon sonst zu wenig Zeit ist, sich zu begegnen.

Ein älterer Herr aber meinte: Briefe? Anrufe? Das ist doch alles nichts. Ich möchte den Menschen in die Augen sehen, wenn ich mit ihnen rede. Das ist für mich das Wichtigste. Dass mir einer wirklich begegnet.

Und auch diese Gespräche gab es: Jemandem schreiben? An wen sollten wir noch schreiben? Es sind alle tot. Wir allein sind zurückgeblieben. – Dann waren wir eine Weile still. Und das Gespräch kam oft nicht mehr recht in Gang.

Noch immer denke ich an diese Begegnungen. Und wenn nun das neue Jahr beginnt, dann nehme ich mir vor: Ich will den Freunden und Verwandten wieder mehr schreiben. Nicht nur eine Nachricht per SMS oder eine Mail, sondern einen richtigen Brief. Und ich will mir Zeit für Begegnungen nehmen. Vielleicht gelingt es nicht immer. Vielleicht vergesse ich meinen guten Plan auch wieder. Aber dann wird mich schon jemand daran erinnern.

Das neue Jahr hat begonnen. Zeit für gute Vorsätze. Vielleicht machen Sie mit? Auch wenn es nur für die erste Hälfte des Jahres reichen sollte – oder gar nur für den Januar. Einen Versuch ist es immerhin wert.

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