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Am Ende des Jahres 2015: Wie kann es sein …

3. Dezember 2015

2014-12-10 20.22.02

… dass es auch in diesem Jahr wieder Weihnachten wird … unglaublich! Wie kann das sein? Am Ende eines solchen Jahres: Charlie Hebdo und Kobane, Paris und Beirut, Ankara … Und dann sagen zumindest die Deutschen: Jetzt kommt die stille Zeit. Heimeligkeit und Familie stehe auf dem Plan. Gefühl auf dem Kalender. Und auf dem Weihnachtsmarkt erklingt wieder „Aber heidschi, bumbeidschi, bumm, bumm“: Ein Kind stirbt, wird verlassen, geht zugrunde. Grausame Realität im gemütlichen Gewand. Grausame alltägliche Realität, der die meisten – auch ich – noch immer im Sessel vor dem Fernseher begegnen.

Die anderen Weihnachtsgesänge bleiben einem angesichts dessen, was in diesem Jahr in Bewegung geraten ist, im Halse stecken. Zum zweiten Mal werde ich Zeuge eines Prozesses, der unmerklich in Gang gekommen ist und nun alle Ausmaße überschreitet, die man angemessen fassen, verstehen, geschweige denn interpretieren kann. Es ist ein Prozess, dem man in sprachlichen Bildern wie Lawine oder Flut gerecht zu werden versucht. Es sind Bilder der Urgewalt. Dabei geht es um Menschen. Menschen als eine Naturgewalt, von der andere Menschen nicht wissen, wie sie ihr begegnen sollen?

Es ist eine Intensität der Sehnsucht und der Hoffnung auf Besserung an einem anderen Ort, von der ich fürchte, dass sie nicht zu erfüllen ist. Und doch sind wir Menschen uns vielleicht gerade in der Sehnsucht nach Besserung, in der Hoffnung auf eine gute Zukunft am nächsten – jenseits der diffusen Ängste.

Und vielleicht geht es auch gar nicht darum, alle diese Sehnsüchte zu erfüllen? Vielleicht kann es gar nicht darum gehen? Sie ernst nehmen, wahrnehmen, Raum schaffen, ja, aber nicht sich selbst als Wunscherfüller sehen? Ist das eines der Probleme der -idatreffen? Dass sich Menschen in der Rolle des Wunscherfüllers sehen, der sie nicht sein können, nicht sein wollen? Und um sich zu schützen, lehnen sie mit massiv verbal (und leider nicht nur verbal) ab, was sie – vielleicht auch nur scheinbar – bedroht?

Zwischen den elementar Betroffenen, die sich auf den Weg in eine bessere Zukunft gemacht haben, den Beteiligten, die sich dem stellen müssen, ob sie wollen oder nicht, baut sich derzeit eine gefährliche Spannung auf. Und daneben, darüber hinaus stellt sich die Frage nach der Wahrung der rechtlichen Systeme, die auch eine Antwort waren, eine Antwort auf die Katastrophen des 20. Jahrhunderts. Nie zuvor gab es ein so umfassendes Recht auf politisches Asyl wie derzeit in Deutschland. Es ist eine Rechtsentwicklung, die sich jetzt bewähren muss.

Und diese Frage stellt sich wohl mit größerer Intensität in den neuen Bundesländern und unter Menschen, die selbst erst vor wenigen Jahren in diesem Rechtssystem Fuß gefasst haben oder fassen mussten, gewollt und ungewollt und mit den je eigenen Brüchen. Gibt es darauf angemessene Antworten? Finde ich die Meine? Findet die Politik die Ihre? Die Ethik? Die Psychologie? Das Recht? Und das alles im Sinne eines Zusammenlebens unter neuen Bedingungen – und jenseits einer besserwisserischen Moral, die keinem nützt?

Und in stiller Selbstverständlichkeit wird dann doch wieder Weihnachten. Und viele erinnern sich an die Antwort eines Kindes: es lebt und es will leben in einer feindlichen Welt. Und es lächelt, wie jedes Kind.

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