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Ich werde gern alt!?

4. Mai 2014

Alt zu werden ist nichts für Feiglinge, sagt man. Und doch möchte jeder älter werden – nur alt sein, das mag man nicht. Früher gab es vielleicht noch so etwas wie eine Achtung vor dem Alter, aber heutzutage?! Zählt da nicht nur derjenige, der noch etwas leisten und vorzeigen kann?

Auf der anderen Seite wandelt sich das Bild des Alters und des Alterns seit einigen Jahren rapide. Während meine Großmutter mit etwa 70 Jahren selbstverständlich in den Großmütterchenkreis ging und sich dafür nicht zu jung war, lehnen Senioren es heute ab, mit 70 schon alt zu sein. Sie nehmen noch aktiv am Leben teil, arbeiten teils im Geschäft der Kinder mit oder haben ein eigenes. Andere beginnen mit dem Renteneintritt noch einmal ein ganz neues Leben: Seniorenbildung, Seniorensport, Seniorentanz … Man ist nie zu alt dazu.

Neue Lebensabschnitte entwickeln sich. Noch vor wenigen Jahren gab es kaum eine Phase ohne die eigenen Kinder. Man musste darüber keine Gedanken machen. Wenn die Kinder heute aus dem Haus gehen – so man Kinder hat – kann man gut und gerne noch beinahe die Hälfte des Lebens vor sich haben. Diese Zeit ist eine Chance und eine Herausforderung. Wie kann sie gut gestaltet werden? Mit wem möchte man sie verbringen? Welche neuen Möglichkeiten gibt ist?

Die jungen Senioren sind weit davon entfernt sich in ein Klischee pressen zu lassen. Sie leben sehr viel freier und selbstbewusster als noch vor wenigen Jahren.

Und es ist schwerer zu sagen, wann man eigentlich „alt“ ist. Und was es heute heißt, „alt“ zu sein – zumindest in vielen Ländern der Industrienationen. Älter werden bedeutet nicht nur ein Zuwachs an Weisheit, an Erfahrung und den Verlust von Illusionen. Alt zu sein heute heißt nicht nur, das Leben langsamer anzugehen oder angehen zu müssen, es bedeutet vor allem auch Freiräume zu haben, die Menschen im Arbeitsprozess eher nicht haben. Es kann bedeutet, etwas von dem auszuprobieren, was bisher zu kurz kam. Es kann auch heißen, sich plötzlich Gedanken machen zu müssen, wie man die neue Freizeit verbringen möchte.

Alt zu werden bleibt eine Herausforderung, aber es wird auch zur Chance. Für viele werden es nicht nur wenige Jahre am Ende des Lebens sein, sondern wirklich ein Lebensabschnitt, den man gestalten kann und muss.

Darüber hinaus ist der Abschied am Ende jedes Lebens die eigentliche Herausforderung. Und egal wie lange das Leben währt, dann steht immer die Frage im Raum: Wie viel Leben hatten die Tage? Das bleibt bedeutsamer als wie viele Tage ein Leben währt.

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2 Kommentare leave one →
  1. 4. Mai 2014 14:54

    Liebe Bettine,
    wieder einmal bringst Du die Sache auf den Punkt. Ich fühle mich da voll angesprochen und es betrifft mich auch. Für mich kann ich sagen: Ich bin gerne alt. Und was auch erstaunlich ist: Es ergibt sich so viel Neues.

    • 4. Mai 2014 17:11

      Danke! Es gibt einen wunderbaren Text von Marie-Luise Kaschnitz. Sie sagte: Das Alter sei wie ein Balkon, von dem aus man in die Weite sieht. Ich hoffe, ich erlebe es auch so.

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