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Ermutigung am Anfang

27. Januar 2014

Das Jahr ist noch jung. Gerade mal einen Monat alt. Und noch immer ist Beginnen, Anfangen, als ob einer neu geboren wäre, als ob ich neu geboren wäre. Ab und an sucht man dann nach den ermutigenden Sätzen, die vielleicht gerade heute, vielleicht gerade jetzt, das Leben mit Goldschein überschütten und sagen: Steh auf, jetzt hier und heute, steh auf und gestalte.
Für diesmal finde ich sie bei Eva Strittmatter, erstmals erschienen in ihrem Gedichtband „Ich mach ein Lied aus Stille“. Sie schreibt:

Mein Leben setzt sich zusammen:
Ein Tag wie dieser. Ein anderer Tag.
Glut und Asche und Flammen.
Nichts gibt es, was ich beklag.

Früher habe ich so gefühlt:
Irgendwas Großes wird sein.
Inzwischen bin ich abgekühlt:
Es geht auch klein bei klein.

Dabei könnte es bleiben, klein bei klein, Schuld bei Schuld, Frust bei Frust und dann auch wieder mal eine nette Erfahrung. Banalität des Lebens. Daneben, dazwischen Untergang. Das fürchtet wohl jeder. Und viele fürchten, genau darin wirklich zu zerbrechen. Und diese Angst könnte den Atem nehmen, könnte so nach unten ziehen – soweit, dass nichts mehr geht.Oder in eine Flucht vor allem und jedem.

Und doch ist gerade diese Banalität nicht das, was das Leben bestimmen muss. Für Eva Strittmatter jedenfalls nicht. Fragen stehen auf und verlangen neue Antworten. Die Dichterin hat uns eins voraus: Sie hat Worte dafür. Sie nimmt Worte und füllt. Sie spricht für mich und für dich:

Was es sein soll? Ich kann es nicht sagen
Und ich weiß auch: das gibt es gar nicht.
Aber plötzlich ist hinter den Tagen
Noch Zukunft ohne Pflicht.

Und frei von Furcht und Hoffen
Und also frei von Zeit.
Und alle Wege sind offen.
Und alle Wege gehn weit.

Und alles kann ich noch werden,
Was ich nicht geworden bin.
Und zwischen Himmeln und Erden
Ist wieder Anbeginn.

BR

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3 Kommentare leave one →
  1. 27. Januar 2014 11:22

    Liebe Bettine,
    wieder so schön. Du sprichst mir voll aus dem Herzen. Ich kann jeden Tag neu anfangen. Was war, das kann ich nicht mehr ändern. Was kommen wird, weiß ich nicht. Aber diesen heutigen Tag kann ich „gestalten“. Eigentlich viel einfacher: Diesen Tag kann ich leben.
    Das langt.
    Alles übrige ergibt sich.

  2. 3. Februar 2014 10:10

    Wirklich schön gesagt ! Lebe was kommt und trauere nicht was war. Genieße den Tag und weine nicht vergangenen Zeiten nach. Die Zukunft ist so schön, wie wir sie uns gestalten.
    lg

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