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Kevork. Spur der Steine

17. November 2013

Ich denke oft an Kevork. Ich habe ihn kaum gekannt, obwohl er mich auf vielen Touren durch Aleppo begleitete, mir das Hotel Baron zeigte und das Haus, in dem Karen Jeppe, die fremde Mutter der Armenier von Aleppo, lebte.

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Kevork war Architekt, Architekt in Aleppo. Seine Arbeiten sind geprägt von der Liebe fürs Detail. Und der der Liebe zur Verbindung von alt und neu. Bewahren – trotz, wegen und überhaupt – und damit Zukunft gestalten, das war ihm wichtig.

Kevork

Kevork war Armenier. Für einen Armenier, der in Aleppo lebt heißt das: Auch seine Familie ging durch die Nacht des Mordens an den Armeniern Anfang des 20. Jahrhunderts, musste ums Überleben kämpfen und landete schließlich in Aleppo. Dort wuchs er auf, gründete eine eigene Familie – und arbeitete mit Liebe und Leidenschaft, solange die Kräfte es zuließen.

Seine Frau Maroush zeigte mir viele seiner Arbeiten. Besonders eindrücklich waren für mich eine Brückengestaltung und vor allem der Innenhof im Bischofssitz. Eine Spur gestalteter Steine quer durch die Stadt der alten Steine.Aleppo_prelacy6

Nur im Hof des Bischofssitzes fotografierte ich: Die Gestaltung, den Hof der Ruhe mit dem Orangenbaum. Den Eingang zum Museum. Heute, da die Stadt in den Bombennächten unterzugehen droht, kommt mir das wie ein Frevel vor. Nur dort, an dieser einen Stelle Fotos. Und all die anderen Zeugen seines Schaffens? Warum nicht auch die? Warum nicht auch beispielsweise die Brücke, unter der wir immer wieder durchfuhren? Warum nicht sein Büro in der Innenstadt? Hätte ich es nicht bewahren müssen, aufzeichnen, festhalten?

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Aber wer hätte damals gedacht, dass ich Kevork nicht noch einmal wiedersehen werde? Dass nur wenige Jahre später von all dem fest Gegründeten kaum etwas übrigbleiben wird? Ja, dass es diese Welt, in die ich eintauchte, überhaupt nicht mehr gibt?

Kevork starb nur kurz nach meinem Besuch in Aleppo überraschend. Ein Schock für seine Familie. Heute sage ich: Er musste den Untergang seines Schaffens, seiner Stadt nicht mehr erleben.

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Aber wir, wir, die wir ihn kannten und Gäste seiner Stadt waren, wir schauen zu, hilflos und ohne die Fähigkeit wirklich helfend einzugreifen. Wir, wir sind dazu verdammt diesem Sterben zuzusehen.

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