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Gartenfreuden

8. Mai 2013

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Die Gartensaison ist eröffnet. Wenn auch etwas später, als in anderen Jahren. Dennoch: Die großen und kleinen Gärtner sind wieder in ihren Parzellen zu finden, haben gesät, säen, pflanzen, pflegen. Sie grillen und ruhen sich aus. Gartenbesitzer sind aktiv und haben doch Zeit. Mühe und Entspannung verbinden sich. Eine eigene Welt. Vielleicht eines der letzten Paradiese in der Stadt? Ein Ort des Rückzugs und der (relativen) Stille, der immerhin noch gesellschaftlich anerkannt ist?

Denn eigentlich ist „man“ doch aktiv und bringt sich ein. Eigentlich arbeitet „man“ täglich, möglichst bis in die Nacht. Erschöpft zu sein ist in gewisser Weise in. Wem es einfach nur gut geht, wer entspannt und fröhlich ist, der wird schon mal schräg angeschaut. Noch schlimmer: Wer gar nichts tut – oder besser gesagt: Wer nichts tut, was „man“ als sinnvolle und bezahlte Arbeit ansieht, der muss schon damit rechnen, dass er/sie kritisch hinterfragt wird. Zeit zu haben, sich Ruhe zu gönnen, entspannt zu sein, das gehört nicht zu den akzeptierten Verhaltensweisen. Und spielen auch nicht, nicht einmal für Kinder. Effizienz von der Wiege bis zum Grab scheint gefordert zu sein. Informationen aufnehmen, verarbeiten, flexibel reagieren.

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Auf der anderen Seite gibt es immer mehr Menschen mit psychosomatischen Erkrankungen, leiden zu viele an Burn-out, früher nannte man es Erschöpfungs-Depression. Psychologen sprechen mittlerweile bereits von der „erschöpften Gesellschaft“, wenn sie über die reichen Industrienationen sprechen.

Die Oasen werden kleiner. – Aber es gibt sie. Die Gärten und Parks der Stadt gehören dazu. Vieles darin hat keinen speziellen Zweck. Es ist einfach nur schön. Es ist schön, wenn die Blumen aufblühen und Menschen sie betrachten, ihren Duft wahrnehmen. Es ist schön, wenn Gärtner und Gärtnerinnen die Erde umgraben, gießen, fürsorglich mit den jungen Pflanzen umgehen. Es ist angenehm im Wald den Duft der Erde wieder wahrzunehmen. Es ist einfach nur schön. Psychologen raten dazu gerade das wieder zu pflegen. Sich nicht vom Druck einfangen zu lassen, sich nicht in eine Dauerhast zwingen zu lassen.

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Aber auch das Leben gegen einen solchen Trend ist anstrengend. Fragen werden aufkommen, Gespräche nötig. Und auch man selbst wird sich hinterfragen. Was ist es, von dem ich mich da absetze? Welchen Sinn hat das Leben, wenn es nicht von Effizienz bestimmt ist? Wohin geht das alles? Wird mein Arbeitgeber es akzeptieren, wenn ich meinen Urlaub einfordere? Schade ich mir damit nicht auf lange Sicht? Und: Kann ich es mir leisten, jetzt krank zu sein? Kann ich mir diesen Spaziergang noch leisten?

Gärten werden wieder gepflegt. Blumen werden auch in diesem Jahr blühen. Der Apfelbaum wird Früchte tragen, viel oder wenig, aber er wird Früchte tragen. Es wird im Herbst eine Ernte geben. Vielleicht ist dieses stille stetige Sein, das die Gärten und Parks vermitteln, eine wesentliche Antwort auf die ernsten und bedrängenden Fragen? Nicht im eigentlichen Sinn logisch, aber doch hörbar und ermutigend.

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