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Superhelden leben länger mit …

22. März 2013

Wie wäre die richtige Antwort? Calgon, Aral oder doch lieber Persil? Da weiß man, was man hat. Guten … Sprüche, die das Leben zwar nicht leichter machen, aber prägen. Das Leben im Land der schönen Bilder ist leicht und gut und schön. Frauen bleiben schlank und rank, Männer bewältigen jede Schwierigkeit. Und Kinder strahlen. Und Katzen sind anhänglich und zutraulich. Das Leben im Land der schönen Bilder ist leicht und unproblematisch.

Verbal steht die Politik dem in nichts nach. Schöne Worte kommen besser an als realistische Einschätzung der Situation. Einfache Antworten werden schneller geglaubt. Das System der Diktaturen mag auf den ersten Blick absurd erscheinen, aber es bedient gerade die Sehnsucht nach der einfach guten Welt. Und diese Sehnsucht kennen wohl die meisten. Sie ist eine starke Triebfeder. Und sie lässt sich leicht manipulieren.

Das Leben im Land der schönen Bilder ist Illusion. Im Grunde wissen das die meisten. Aber der Aufschrei bleibt aus. Für Werbung wird Geld ausgegeben, viel Geld. Für schöne Worte an der richtigen Stelle gibt es einen ähnlich lukrativen Markt. Und wer genau hinsieht, der kann auch das immense kreative Potential wahrnehmen, das in diese Illusionen fließt. An anderen Stellen gelingt es den Kreativen kaum mit dem zu überleben, was sie einbringen können.

Wozu fließt das Geld, fragt man sich. Damit mehr Geld gemacht werden kann, für einige wenige? Mehrwert ist das Schlagwort. Und es ist alternativlos. Jedenfalls wird das behauptet. Dabei gibt es im Leben nur sehr selten Situationen, in denen es wirklich keine Alternative gibt. An der Grenze des Lebens, bei Geburt und im Sterben gibt es diesen Punkt. Aber sonst?

Mehrwert, Wachstum, besser sein, besser werden – und billiger und flexibel sein. Das höre ich, lese ich faktisch überall. Und dazu schön Bilder, schöne Menschen, die mir das einprägen sollen. Das sei das Ziel des Lebens. Quasi alternativlos.

Was aber erlebe ich auf der anderen Seite, jenseits der Superhelden? Ich erlebe, dass meine Kraft begrenzt ist, dass ich durchaus Leistung bringen will und kann – aber nach meinen Möglichkeiten. Mehr ist mir nicht möglich. Ich erlebe, dass Häuser gebaut, Behandlungsmöglichkeiten zur Lebensverlängerung entwickelt werden, neue Produkte auf den Markt kommen, die das Leben einfacher machen sollen. Aber was das Leben eigentlich ist, was den Wert ausmacht, was neben dem Körper auch der Seele dient, das geht zu oft unter zwischen all dem, was doch dem Leben dienen soll. Und darin verliert das, was dem Leben dienen soll, seine Seele.

Das Geld hat einen Wert an sich bekommen. Und dabei war es, ist es nur ein Tauschobjekt. Wenn es keinen Gegenwert mehr gibt, verliert es seinen Sinn. Aber die meisten, vielleicht wir in der sogenannten westlichen Welt fast alle, gehen damit um, als ob es einen eigenen, unabhängigen Wert hätte. Und der wird zum Superhelden, der diesen Wert erkannt hat, bedient und sich auf dem Markt verkauft und behauptet – egal wie seelenvoll oder seelenlos das ist, was er, was sie anzubieten hat.

Was aber hat Wert? Was dient dem Leben? Was macht den Menschen heiter, freundlich, liebevoll, geduldig? Was ist Frieden? Wer hat das Recht, einem anderen das Leben zu nehmen? Und wenn dieses Recht irgendjemandem zustehen würde, welche Gründe gäbe es dafür? – Oder sind diese Fragen falsch gestellt?

Die Welt dieser Superhelden macht mich atemlos und laugt aus. Denn auch ich möchte den Weltfrieden schaffen, aber es gelingt mir oft genug nur schwer, den Streit mit den Nachbarn schlichten. Und auch ich möchte den Hunger in der Welt abschaffen, aber ich bin damit beschäftigt, wenigstens unser Essen zu finanzieren. Und auch ich möchte Gerechtigkeit für alle und Wahrheit – doch dann erkenne ich, dass meine Wahrheit nicht die Wahrheit der anderen ist. Und das, was ich unter Gerechtigkeit verstehe, ist für andere nicht akzeptabel. Wie also bewältigt man den Alltag angesichts der großen Fragen, der zu großen Fragen – und der Forderung der allgegenwärtigen Superhelden? Es ist unsagbar anstrengend immer wieder hinter den Schein der Bilder zu sehen und nach dem zu fragen, was wirklich wesentlich ist, was dem Leben dient.

Und es ist anstrengend sich dem Anschein zu entziehen und den Mut zu haben, ich selbst zu sein. Denn realistisch gesehen gilt doch für jeden Einzelnen: Er ist, sie ist ein Porsche (ein sehr teures Auto) mit der Bodenhaftung eines Trabants (für alle, die dieses unglaubliche Fahrzeug nicht mehr kennen: ein, nun ja, ein Plasteauto aus DDR-Produktion, aber durchaus straßentauglich). Dem Weltfrieden dienen, den Hunger abschaffen, Gerechtigkeit bewirken, kann ich nur in winzig kleinen Schritten. Indem ich mich mit mir selbst aussöhne, mit meinem Leben, bruchstückhaft wie es ist. Und indem ich akzeptiere, dass ich eben kein Superheld bin oder sein werde, auch wenn ich von ihnen umgeben bin. Ich gehe noch immer zu Fuß. Aber genau das ist vielleicht mein Auftrag?

Und vielleicht schließen sich Fußgänger an mich oder ich mich an sie an – und wir lassen die Superhelden für sich allein grinsen.

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