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Weihnachten mögen

3. Dezember 2012

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Ich mag Weihnachten. Ich weiß, das ist nicht gut. Als bekennender Weihnachtsfreund hat man es nicht leicht. Denn man erntet schräge Blicke: Kommerzialisierung, Spendenmarathon, Überfrachtung mit Emotionen … Um nur einige Beispiele zu nennen.

Ich behaupte ja nicht, dass das Fest, so wie viele es derzeit feiern, unproblematisch wäre. Ich kenne viele Gespräche mit Kindern, die einen Wunschzettel schreiben und das eher für eine Bestellung halten. Ich kenne die Enttäuschung, die das Fest auslösen kann, wenn es wieder einmal nicht das erfüllt hat, was man sich darunter vorgestellt hat. Und ich kenne auch Leute, die sich vor dem Abend geradezu fürchten, weil sie keine Familie haben, zu der sie gehen oder die sie besuchen will. Und dann ist da noch der Schmerz all jener, die besonders an diesem Abend spüren, was sie verloren haben – im vergangenen Jahr oder irgendwann in ihrem Leben. An dieser Stelle ließen sich unschwer weitere Negativbeispiele finden. Jeder hat seine eigenen. Jeder trägt seine eigne Trauer und seine eigene Wut darüber mit sich herum. Es gibt viele Brüche, die gerade an diesem Abend, an diesen Abenden lauter zu sein scheinen als an anderen.

Und doch: Ich mag Weihnachten. Ja, wir spüren die Verletzlichkeit und die Verletzungen des Lebens in diesen Tagen deutlicher. Ja, Meldungen über Leid werden in dieser Zeit zu oft missbraucht. Und ja: das Fest droht zu einem Fest des Einzelhandels und der großen Verkäufer zu verkommen. Und doch ist die Bereitschaft, in dieser Zeit aufeinander zu zu gehen, sich zu treffen, zu reden, größer. Diese Sehnsucht, das hinter all dem Materiellen, das man besitzt oder vermisst, noch etwas ganz anderes sein möge. Und die Hoffnung, dass die Beziehungen zueinander noch eine ganz andere Dimension haben. Dass es wirklich Gemeinschaft gibt. Immerhin einmal im Jahr schaut man sich in die Augen. Das mag ich an Weihnachten. Wenigstens in dieser Zeit sind wir bereit, die Masken zur Seite zu schieben, das Visier zu öffnen. Das ist vielleicht nicht viel. Aber es ist ein Anfang.

Ich für meinen Teil haben jedenfalls vor, mit Freunden Glühwein trinken zu gehen, werde dem Nachbarskind zum Nikolaus Schokolade in den Schuh stecken, meine Kinder anrufen. Und vielleicht, möglicherweise nur ab und an, einen Fremden anlächeln, ein gutes Wort für irgendwen bereit haben, über meinen Schatten springen … Und mich von Nieselregen und wabernden Nebeln nicht davon abhalten lassen, mich des Lebens zu freuen. Ganz im Sinne von Carl Valentin: „Ich freu mich, wenns regnet, denn wenn ich mich nicht freu, regnet es auch …“

Aber vielleicht schneit es ja auch. Und vielleicht lässt die klare Wintersonne das Land in einzigartigem Glanz aufscheinen. Und vielleicht begegne ich gerade in diesen Tagen und Wochen Menschen, die mir etwas Gutes zu sagen haben. Ich will meiner Sehnsucht trauen. Ich – mag Weihnachten.

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