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Brückenbauerin anderer Art: Simone Weißenfels

25. April 2012

Griechenland, Sonne, Strand, Meer. Wiege europäischer Kultur. Welcher Ort wäre wohl geeigneter, einem Gespräch zwischen Malerei und Musik zu dienen? Als die Malerin Christiane Just aus Dresden Simone Weißenfels fragte, ob sie sich ein solches Projekt vorstellen könne, lebte Simone Weißenfels noch in Freiberg. Sie war als freiberufliche Pianistin gerade dabei, neue Schritte auf den Wegen der Kunst zu gehen. Sie sagte spontan zu. Die äußeren Bedingungen waren damals – im Vergleich zu heute – einfach, aber für die Arbeit ideal: eine preiswerte Übernachtung, aber auch ein riesiger Garten, der Strand und das Meer nur wenige Meter entfernt. In dieser Umgebung entdeckten Klavier- und Malschüler gemeinsam „Rhythmus und Klang in Malerei und Musik“. Unaufdringlich begleitet hatten die Schülerinnen und Schüler die Chance, eigene Wege zu gehen, die eigenen Möglichkeiten zu entdecken. Die positiven Wirkungen, die das Projekt auf die Entwicklung der Schüler hatte, gaben den beiden Kursleiterinnen recht.

Damit intensivierte Simone Weißenfels einen Weg, den sie bereits in den 80er Jahren als Studentin in Moskau und in ihrer Zusammenarbeit mit Schriftstellern wie Wolfgang Hilbig, Malern oder Kabarettisten beschritten hatte: Sie baute Brücken zwischen Kulturen, Kunstformen und Stilrichtungen. Wenige Künstler schaffen so mühelos wie Simone Weißenfels eine Verbindung zwischen klassischer Musik, Jazz und elektronischen Klängen.
Eine erste Fortsetzung erlebte das Austauschprojekt noch einmal in Griechenland. Seit 1999 unterrichtet Simone Weißenfels Klavierschüler der Thomaner. Dementsprechend widmeten sich Thomaner und griechische Schüler gemeinsam Musik und Performance. Möglich wurde dieses Projekt auch dank der Förderung durch das Goetheinstituts.

Wenn sich eine Tür erst einmal geöffnet hat, sind die folgenden Entwicklungen manchmal fast logisch. Der Verein Travnik e.V. engagierte sich für einen Austausch zwischen Leipzig und dem durch den Krieg schwer geschädigten Bosnien-Herzegowina. Unterstützt durch den Verein initiierte Simone Weißenfels einen Kulturaustausch zwischen den Partnerstädten. Es war ein auch schwerer Prozess der Annäherung. Aber es entstand eine fruchtbare Kooperation, die u. a. einer Leipziger Nachwuchs-Band ermöglichte, in Bosnien-Herzegowina auf Tournee zu sein und sehr lebendig ein fremdes Land zu erleben.
Die Projekte wurden größer, die Wege weiter. China und später Taiwan waren die nächsten Ziele. Der chinesische Künstler Dong Jing Ming suchte über das Leipziger Kulturamt Verbindungen zu Leipziger Musikern. Das Amt vermittelte den Kontakt zu Simone Weißenfels. Es entwickelte sich ein – nicht nur – musikalisches Gespräch zunächst in Deutschland, später ein Austausch zwischen jungen Musikern aus China und Deutschland, unterstützt durch die Stadt Leipzig (REIZ, Kulturamt). Erschwert wurde der Austausch durch die rigide Kulturpolitik in China.

Brückenbau dieser Art versteht Simone Weißenfels nie als punktuellen Ansatz. Es geht ihr um den Aufbau langfristige Beziehungen, die beide Seiten bereichern. Dafür aber muss der Austausch auf Gegenseitigkeit und prinzipieller Gleichberechtigung beruhen. 2010 zeigte sich, dass die Differenzen mit den chinesischen Partner nicht mehr zu überwinden waren. Künstlerisch-inhaltliche Anliegen und Erwartungen an den Austausch lagen zu weit auseinander.

Offen blieb, wie eine neue Begegnung aussehen konnte. Ein schneller Ersatz war nicht zu erwarten. Dennoch entwickelte sich in vergleichsweise kurzer Zeit eine intensive Kooperation mit Studenten und Professoren des NCTU (National Chiao Tung University) aus Taiwan. Beteiligt waren neben Musikern Studenten der Architektur, des Mulitmedia-Institutes u. a. Traditionelle Kunst und modernste Technik bereichern sich auf überraschende Weise. Ein intellektueller Austausch auf höchstem künstlerischem Niveau und guter persönlicher Basis. Alle Kooperationspartner, auf deutscher Seite z. B. das Werk II oder Bimbotown, aber auch die engagierten künstlerischen Mitarbeiter Irina Pauls und Marek Brand, hoffen auf eine Neuauflage des Projekts.

Dass es einen Austausch zwischen Kulturen, Künsten, Genres weiter geben wird, zeigen die Begegnungen mit Künstlern wie Adam Smith & Daniel Carter aus den USA oder die Konzertreise durch die Ukraine im November 2011.

Immer wieder öffnen sich neue Horizonte. Mit dem deutsch-amerikanischen Projekt „share“ schuf Simone Weißenfels im Raum der Kulturen in Plagwitz ein Podium für Künstler unterschiedlichster Genres, die sich in der Begegnung zwischen Elektronik, Performance und Musik gegenseitig inspirieren (www.share-leipzig.de). Dabei ist es der Musikerin wichtig, dass Kunst nicht nur für die zugänglich ist, die sich eine Eintrittskarte leisten können. Gemeinsam mit ihren Helfern engagiert sie sich ehrenamtlich. Der Eintritt ist frei.

Es bleibt spannend, die Arbeit dieser großartigen Leipziger Künstlerin zu beobachten. Bereichernd ist ihre Arbeit für die Besucher ihrer Konzerte allemal.

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