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Syrien. Fragen

10. Februar 2012

Aleppo: Das berühmte Hotel Baron, Eingangsbereich, 2008

Seit Wochen und Monaten überschlagen sich die Meldungen: Homs unter Beschuss, Homs abgeriegelt, Übergriffe in Damaskus. Und nun auch erste Explosionen in Aleppo. Der Bürgerkrieg greift um sich. Die Betroffenheitsäußerungen auch.
Aber man fragt sich, als stiller Beobachter: Wie ehrlich ist das alles? Wer möchte wirklich, dass der Krieg endet – von offizieller Stelle. Dass es die normalen Bürger Syriens es sich wünschen liegt auf der Hand. Und ich wünsche es ihnen von ganzem Herzen.
Aber wer in den Schaltzentralen der Macht setzt sich ernsthaft für ein Ende der Gewalt ein. Die EU? Russland? China? Zurecht weißt die Organisation der „Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“ (IPPNW, http://www.ippnw.de/startseite/artikel/0fcaf5c248/gewalt-in-syrien-stoppen-krieg-v.html) darauf hin, dass beide Seiten Gewalt anwenden und es nur Frieden geben wird, wenn beide Seiten auf Gewalt verzichten. Auch wenn man Ursache und Wirkung nicht verkehren sollte. Doch wie viel wissen wir wirklich über Ursache und Wirkung? Und wie viel wissen wir über Machtinteressen in den angrenzenden Staaten? In Deutschland? Der EU? Den USA? …

Aleppo: Blick zur Citadelle, 2008

Und wäre es nicht relativ leicht, solche Konflikte deutlich zu verkürzen, wenn die Regierungen sich jeweils in ihren Ländern dafür einsetzen würden, dass keiner Seite mehr Waffen geliefert werden? Weder Patronen noch neue Gewehre, keine Panzer und was es an dergleichen Mordwerkzeugen noch gibt. Kein Mordwerkzeug an niemanden. Zwar würden die Waffenlager noch eine Weile reichen. Aber die Tage für ein Morden in diesem Ausmaß wären gezählt. Danach könnte man freilich immer noch mit Latten und Steinen aufeinander losgehen. Aber das Ausmaß der Schäden wäre um ein vielfaches kleiner. Und vor allem wäre die Gefahr, dass Unbeteiligte in den Konflikt hineingezogen werden, um ein vielfaches geringer. Man würde sich vielleicht doch gezwungen sehen, sich an einen Tisch zu setzen und zu reden. Vielleicht. Sicher ist es nicht, nie, aber eine Möglichkeit. Aber hat daran irgendeine der beteiligten Regierungen ein echtes Interesse? Deutschland etwa, als drittgrößter Waffenexporteur der Welt?
Und: Wie viele Bürger unseres Landes hätten daran ein tiefer gehendes Interesse, wenn die Waffenlobby weniger Umsatz macht und Arbeitsplätze ich Gefahr gerieten? Auf wie viel Luxus wäre jeder einzelne bereit zu verzichten, wenn dafür kriegerische Konflikte in der Welt enden? Bedauerlicherweise ist dies eine theoretische Frage. Aber man kann sie sich ja einmal in einer ruhigen Minute stellen. Nur mal so: Was ist mir der Frieden wert?
Wer aber fordert heute Gewaltverzicht von beiden Seiten? Wer ist integer in diesem schmutzigen Spiel der Macht? Wem ist zu trauen?
Meine Gedanken gehen zu den Leidenden, denen die diesem Konflikt nicht entfliehen können, denen, die hineingeraten und schlicht überleben möchten, wie wir alle. Es sind hilflose Gedanken. Und dennoch: Wenn wir nicht anfangen anders zu denken, an welcher Stelle beginnt ein anderes Leben dann?

Aufruf der IPPNW:
http://www.ippnw.de/aktiv-werden/kampagnen/syrien-aufruf.html

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