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Eine Leipziger Erfolgsgeschichte: Kathleen Weise

15. September 2011

Wer im Netz nicht vorkommt, kommt nicht vor(an). Sätze dieser Art sind in den letzten Jahren für viele Autoren beinahe zum täglichen Bekenntnis geworden. Mag der Satz auch manches Wahre in sich tragen. Zum Bekenntnis geworden, führt er den Autor oft genug in eine Spirale, die zwar ein beschäftigtes Gefühl verschafft (1000 Freunde bei Facebook), aber nicht zwingend zum literarischen Erfolg führt.
Merkwürdig schmal nimmt sich demgegenüber die Netzpräsenz von Kathleen Weise aus. Kein Facebook-Account, noch nicht einmal ein Eintrag bei Xing. Aber sie hat eine eigene Website. Immerhin, soweit kommt sie den modernen Menschen des Web 2.0 entgegen. Sachlich, distanziert und auf das orientiert, was ihr am Herzen liegt: das Schreiben. Über ihr Leben erfährt man so gut wie nichts. Geboren? Da sie mir bereits gegenübergesessen hat: Eindeutige Antwort Ja! Lebenswege? Leipzig, Leipzig und noch einmal Leipzig. Abgesehen von einer kurzen, dreimonatlichen Untreue hält sie es an dieser Stelle mit Karel Gott: „Ich habe immer in Leipzig gewohnt.“ – Selbstverständlich würde Karel Gott an entsprechender Stelle Prag einsetzen.
Schreiben ist die große Konstante ihres Lebens. Sie hat Kathleen Weise, aus heutiger Sicht fast unvernünftigerweise, unmittelbar nach dem Abitur zum Studium am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig geführt. Im Jahr 2000, mit 22 Jahren, endete das Studium und Kathleen Weise trat als ausgebildete Autorin in die Welt hinaus. Von Beruf Autorin. Aber wovon lebt man, wenn man zwar geschrieben hat, aber bisher noch kaum veröffentlicht? Zunächst schien es als ob Kathleen Weise einen Crashkurs im Bereich Lebenserfahrung belegt hätte. Sich über Wasser halten mit Weiterbildungen, sich ehrenamtlich engagieren – mit aller Freude und allem Ärger, den das so mit sich bringt, Krankheit erleben und überwinden. Und daneben weiter Schreiben.

Viele Jahre engagierte sie sich ehrenamtlich als Mitarbeiterin des Literaturbüros Leipzig e.V. Ihr Schwerpunkt war die Arbeit mit Jugendlichen. Sie organisierte Lesungen, Textwerkstätten, Schullesungen und Workshops.
Der berufliche Weg führte Kathleen Weise in die Selbstständigkeit. Sie hat es bis heute nicht bereut. Sie schätzt die Freiheit des Berufs, die Möglichkeit sich den Tag den eigenen Rhythmen entsprechend einzuteilen. Das Schreiben gehört täglich zum Tagesablauf. Die Zeiten variieren. Es ist für Kathleen Weise wichtiger, jeden Tag zu schreiben, als dafür einen festen zeitlichen Rahmen zu schaffen. Kreativen Zeiten kann man nicht befehlen, ihnen allerdings Raum einräumen.
Ohne Fleiß, Konsequenz – und einem gewissen Maß an Glück gelingt aber der berufliche Aufstieg auch als Autor nicht. Durch Vermittlung erhielt Kathleen Weise die Chance, sich als Autorin im Bereich Jugendbuch zu etablieren: 2007 erschien ihr erster Jugendkrimi „Code S2“ in der Krimireihe Schwarzlichter bei Beltz und Gelberg. Bereits 2008 folgte ein neuer Band.
Für Kathleen Weise war der Einstieg in den Bereich Jugendbuch eine Herausforderung, der sie sich gern gestellt hat. Das Jugendbuch bietet größere Spielräume für Experimente. Jugendliche sind weit weniger festgelegt. Kathleen Weise macht es Spaß, Wege zu suchen, den Leser zu überraschen. Für eine wesentliche Aufgabe der Jugendbuchautoren hält sie es, Jugendliche zu Lesen zu verführen. Leseförderung durch eigene Werke, durch Begegnung mit Jugendlichen auf Lesungen. Dafür ist es nicht ausreichend, einmalig Statements abzugeben. Es ist nötig, die Themen Jugendlicher aufzunehmen, Konzepte zu entwickeln, in denen sich Jugendliche wiederfinden und die sie zum Lesen bringen.
Mit Planet Girl ist dem Thienemann Verlag offensichtlich eine solche Entwicklung gelungen. In dieser Reihe erschien Kathleen Weise aktueller Roman „Blutrote Lilien“. Die positiven Rezensionen, auch und gerade von Jugendlichen, zeigen, dass Kathleen Weise die Interessen ihrer Leserinnen aufnehmen konnte, Lesen und Bildung in außergewöhnlicher Art und Weise verbunden hat.
Kathleen Weise möchte sich aber nicht auf junge LeserINNEN festlegen. Ihr ist es wichtig, für Jungen und Mädchen zu schreiben. Und sie wünscht es sich, Schüler aller Schultypen zu erreichen. Es kommt ihr darauf an Offenheit zu schaffen. Jugendlichen sollte man nicht vorschreiben, was sie lesen sollen. Ihr Gespür für die eigenen Interessen sollten ernst genommen und zugelassen werden, egal ob Comic, klassische Literatur oder Mystery. Ihr Geschmack schult sich am Lesen verschiedener Genres.

Der Weg Kathleen Weises als Autorin ist eine ostdeutsche, eine Leipziger Erfolgsgeschichte. Heute ist sieht sie ihren Weg durchaus kritisch: Es ist nicht einfach, mit Tiefe zu schreiben, wenn man so jung ist und ein großes Maß an Erfahrungen fehlen, fehlen müssen. Und es ist nicht einfach, sich in diesem Alter bereits selbstständig zu machen. Aber alle ihre jugendlichen Fans danken es ihr, dass sie dieses Wagnis eingegangen ist. Wenn man Kathleen Weise nach einer Botschaft für Jugendliche fragt, antwortet sie: „Lest mehr Bücher!“ Ihren Bücher entsprechend sollte man die Botschaft erweitern: „Lest mehr Bücher von Kathleen Weise!“

Weitere Informationen unter: www.kathleenweise.de und  unter www.lesehappen.de

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One Comment leave one →
  1. 16. September 2011 08:14

    Ein Wenig beneide ich Kathleen. Sie konnte schon in so jungen Jahren ihrer Berufung folgen. Ich wünsche ihr aber trotzdem ganz, ganz viel Glück und Erfolg. Gerade weil ich die Kostbarkeit dieses geschenkten Lebens beurteilen kann.
    Vielen Dank für Deinen Beitrag. Auch ich möchte den Jugendlichen aufmunternd zurufen: „Lest mehr Bücher!“

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