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Nichts Neues unter der Sonne

10. Januar 2011

Wenn man historische Texte liest, ist es oft erstaunlich, wie wenig sich in den dazwischen liegenden Jahrhunderten geändert hat. Wir meinen oft, wir seien um so vieles weiter und klüger. Mag sein, dass technologisch heute manches machbar ist, was den Menschen früherer Zeiten verwehrt blieb. Im Umgang miteinander scheint sich nicht allzu viel geändert zu haben. Bailius der Große wurde um 330 in Caesarea in Kappadokien geboren und starb am 1. Januar 379 . In einer seiner Auslegungen heißt es:

Ich werde meine Scheunen abreißen …– daran tust du gut! Die Speicher des Unrechts sind wert, zerstört zu werden. Reiß sie ab, die für niemanden einen Trost zu geben hatten!

… und größere bauen. Und wenn du das getan hast, wirst du diese dann auch niederreißen? Was ist denn törichter als ohne Ende zu schuften? Deine Speicher sind sozusagen die Häuser der Armen. Aber du sagst: Wem tue ich denn Unrecht, wenn ich das Meine behalte? Denn es folgt: „dort werde ich alles, was mir gewachsen ist, all meine Güter, unterbringen.“

Sag mir: Was ist das, deine Güter? Hast du sie mit ins Leben gebracht? Diese Reichen gleichen einem Menschen, der frühzeitig zu einer Vorstellung ins Theater kam und dann alle anderen davon abhält, indem er beansprucht, es gehöre ihm allein, was doch für den gemeinsamen Nutzen da ist. Ja, so sind die Reichen, welche die Güter, welche allen gehören, für sich reklamieren. Wenn nämlich jeder nur das nähme, was er nötig hat, und das Übrige den Armen ließe, dann gäbe es weder Reiche noch Arme. Und wenn du nun sagst, das sei dir von Gott gegeben, ist dann Gott etwa ungerecht, dass er die Güter so ungleich verteilt hat? Warum hast du Überfluss, während der andere betteln muss – wenn nicht deswegen, damit du Verdienste erwirbst, indem du schenkst, der andere aber wegen seiner Geduld den Kranz empfängt? Bist du nicht ein Räuber, wenn du als dein Eigentum beanspruchst, was dir zum Verschenken gegeben wurde? Es ist das Brot des Hungrigen, das du aufhebst, es ist das Kleid des Nackten, das du im Zimmer bewahrst, es ist der Schuh des Unbeschuhten, der bei dir vermodert.

(zitiert nach: http://www.catena-aurea.de/ljcpann18.html)

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2 Kommentare leave one →
  1. 11. Januar 2011 07:19

    Was für schöne Gedanken Du da ausgegraben hast. Bailius hat es ja wirklich auf den Punkt gebracht, wie der Grundsatz „liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ funktioniert.

    • 11. Januar 2011 15:16

      Es immer wieder beeindruckend, wie viel Weisheit man in den alten Texten entdecken kann. Ich freue mich sehr über solche Projekte, die die Texte leichter zugänglich machen.

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