Skip to content

Oskar und die Dame in rosa. Der Film

22. September 2010

Kinder sind unsere Hoffnung. Kinder sind unsere Zukunft. Kinder sollten nicht krank sein, Kinder sollten nicht sterben. Sie haben doch das ganze Leben noch vor sich. Doch die Realität sieht anders aus: Auch Kinder sterben, manche bevor sie geboren sind, manche nach nur wenigen geborgten Jahren. Das Thema ist schmerzbeladen. Und wird an den Rand gedrängt. Und doch betrifft es Menschen in der Nachbarschaft, Menschen, die wiederum andere brauchen, um mit der Last, die sie tragen, zu leben.

Vor einigen Jahren widmete Eric Emmanuel Schmitt sich diesem sensiblem Thema in seinem Buch „Oskar und die Dame in rosa“. Es ist eines der vier Bücher über die großen Weltreligionen und Grundfragen des Lebens und Glaubens: Oskar, der krebskranke Junge, der ein schlechter Kranker ist, weil er den Ärzten keine Freude mehr macht, erzählt Gott in Briefen den Weg seines Abschieds, der zugleich ein kostbarer Weg durch die letzten, intensiven Tage seines Lebens ist. Jeder Tag 10 Jahre. Die „Dame in rosa“ gehört im Buch zu den sog. „Grünen Damen“, die ‑ auch in Deutschland ‑ ehrenamtlich Kranke besuchen, ihrem Leid nicht ausweichen. Der Film nimmt Oskars Geschichte auf, erzählt aber an der Stelle der „Dame in rosa“ eine andere Geschichte: Die Geschichte von Rose, die sich schwer genug mit ihrem Pizzaservice in pink durchschlägt, im Grunde auf alle zornig ist, vor allem aber auf die alltägliche Ungerechtigkeit des Lebens. Und die Geschichte von Oskar, über den sie buchstäblich stolpert. Oskar, der jeden Grund hat zornig auf das das Leben, Gott, die Welt zu sein, auf alles, was ihm das Recht abspricht das Leben bis zur Neige auszukosten.

Der Film ist ein „echter“ Eric Emmanuel Schmitt. Zwischen Traum und Wirklichkeit wird eine anrührende Geschichte erzählt, werden Fragen gestellt. Und manche davon auch beantwortet. Dass der Autor viele der Antworten schuldig bleiben muss, ergibt sich aus dem Stoff seines Films. Es wäre dem Leid unangemessen, wenn sich eine schlüssige Antwort finden ließe. Vielleicht finden sich im Film an einigen Stellen sogar zu viele Antworten. Eines macht er aber deutlich: Es ist sinnvoll, sich dem Leid zu stellen. Auch wenn es schmerzhaft ist. Auch wenn manchmal Schweigen mehr als eine Antwort sein kann. Selbst die Groteske des Lebens findet ihren Platz. Man sollte das Taschentuch allerdings nicht zu weit wegstecken. Den Lachtränen werden Tränen der Trauer folgen, folgen müssen.

Einige Stellen im Drehbuch scheinen dagegen nicht bis zu Ende durchdacht. Rose Beziehung zu ihrem Freund beispielsweise bleibt merkwürdig offen. Er verschwindet aus der Handlung des Films. Warum? Darüber darf der Zuschauer spekulieren. An anderen Stellen nähern sich die Erklärungen dem Banalen. Und werden teilweise im Film selbst widerlegt. Es gibt eben nicht immer eine Lösung. Manches Problem muss bis zum bitteren Ende durchlitten werden.

Aber dass auch ein leidendes Kind – wie jeder Erwachsene ‑ ein Recht auf Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit, auf Liebe und Gemeinschaft, auf Frage und die Suche nach Antworten hat, zeigt der Film mit großer Eindringlichkeit. Und dass es ein Recht hat, trotz allem bis zum Ende zu leben und auch, solange es das möchte, zu lachen.

Am 14. Oktober 2010 startet der Film offiziell in den deutschen Kinos.

Advertisements
3 Kommentare leave one →
  1. 23. September 2010 12:31

    Wie wohltuend, auf Kunst zu stoßen, die mutig, mit Tiefe und menschlicher Wärme Probleme sichtbar macht. Danke für diesen Hinweis.

  2. 24. September 2010 20:55

    Das Buch war wunderbar, aber ob der Film nach der Lektüre nicht eine Enttäuschung wäre?

    • 25. September 2010 07:11

      Das ist immer so eine Frage bei Verfilmungen. Ich habe es nicht so empfunden, weil der Film an einigen Stellen einfach anders ist als das Buch.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: