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Ausflug nach Schloss Beuggen

10. August 2010

Einst lebte auf Burg Buckein am Rhein ein Mangold. Er liebte das Spiel und den Trank. Und über kurz oder lang war all sein Geld verbraucht. Die Schulden wuchsen ihm über den Kopf. So musste er sein Land verkaufen. Sein Land am Rhein. Doch auch der neue Besitzer ist nicht lange glücklich mit seinem Erwerb – oder war es gerade sein außerordentliches Glück, dass ihn dazu trieb, das Land an einen Ritterorden zu geben? Sei es, wie dem sei. Ritter Ulrich von Liebenberg schenkt 1246 das Land dem Deutschen Ritterorden, damit er darauf ein Ordenshaus errichtet. Eine wechselvolle Geschichte begann.

Bis 1268 errichtet der Orden auf dem Land ein Wasserschloss. Das Gebiet entwickelte sich zu einer einträglichen Pfründe für den Orden. Strategisch lag es eher im Abseits. Erst die Bauernkriege erreichten auch Schloss Beuggen. Man erstürmte die Burg und plünderte. Dabei vernichteten die Bauern auch einige Akten über ihre Verpflichtungen. Der Komtur flieht und wird evangelisch, der neue lässt das Schloss von Grund auf erneuern und erweitern. Er soll gesagt haben: „Wo mein Vorgänger, der Schuft, durchgeritten ist, da soll hinfort kein Deutschordensritter mehr aus- oder eingehen.“

Aber nicht nur Deutschordensritter gingen in der Folgezeit ein und aus. Im Dreißigjährige Krieg wurde die Burg mehrfach erobert und geplündert. Nach nach dem Reichsdeputationshauptschluss fällt Schloss Beuggen 1806 an den Landesherren; die Kirche. Und die ehemalige Krankenstube gehören in der Folge der katholischen Ortsgemeinde. In den napoleonischen Kriegen dient das Schloss als Lazarett, ab 1820 als Kinderheim. Der Legende nach soll Caspar Hauser auf dem Schloss gefangen gehalten worden sein. Aber es ist wohl nicht mehr als eine Sage …

Das Kinderheim überdauert die wechselvolle Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. 1980 wird es geschlossen. Seit 1985 dient das Schloss als evangelische Tagungs- und Begegnungsstätte. Im Jahr 2005 siedelte sich eine christliche Kommunität auf Schluss Beuggen an, die das geistliche Leben in den alten Mauern nach Kräften fördert.

Spürbar ist dies für den Besucher auf den ersten Blick im Park des Schlosses. Dort erwartet ihn ein Garten mit Pflanzen, die in der Bibel genannt werden, und ein, nein zwei Labyrinthe. Wie ein Bild für die wechselvolle Geschichte des Schlosses, seinen geistlichen Ursprung, die verschlungenen Wege durch die Geschichte wirken die beiden Labyrinthe.

Das eine ist im Gras kaum mehr zu erkennen. Man muss schon genau hinsehen, wenn man den Weg finden will. Das zweite geschützt hinter einer kleinen Hecke und gut gepflegt. Das eine eine klassisches kretisches Labyrinth, das andere die Aufnahme der alten Form in neuem Gewand. Es ist eine eigene Erfahrung, die Labyrinthe auf dem Hintergrund der wechselvollen Geschichte des Schlosses zu gehen, die Lebenswege derer zu bedenken, die hier glücklich waren, litten, hofften. Es ist ein besonderer Ausflug in eine Geschichte – nach außen und innen.

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One Comment leave one →
  1. 11. August 2010 08:09

    So gesehen kann man so manches Leben als Labyrinth betrachten. Ob es in der Makroschau über die Jahrhunderte geschieht oder stetig minimiert bis zum kleinstmöglichen Nenner. Ich glaube es lohnt sich, diese Labyrinthe zu entdecken.

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