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Erinnerung und Mahnung. Pressemitteilung der Gruppe24April

14. April 2010

Genau vor 95 Jahren senkte sich ein schwarzer Schatten über das Volk der Armenier, ein Schatten, der bis heute nicht gewichen ist. Damals, am 24. April 1915, gab die Führung des Osmanischen Reiches den Befehl, die armenischen Eliten in Konstantinopel zu verhaften und zu deportieren: Der Beginn eines planmäßigen Völkermords, der am Ende weit über anderthalb Millionen Menschen das Leben kostete. Seither betrauern die Armenier in aller Welt an jedem 24. April ihre Genozid-Opfer. Die zentrale Gedenkfeier in Deutschland findet auch dieses Jahr wieder in der Frankfurter Paulskirche statt. Hauptredner sind der Schriftsteller und Publizist Ralph Giordano sowie der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann, der für die Deutsche  Bischofskonferenz spricht.

Die armenische Gemeinde in Deutschland fordert die Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern durch die Türkei, die das Menschheitsverbrechen seit 95 Jahren militant verleugnet. Sie fordert diese Anerkennung auch von Deutschland, das in den Völkermord von 1915 involviert war, sich aber bis heute um eine endgültige Aussage drückt.  Als Zeichen an die Zukunft plant die armenische Gemeinschaft ein  repräsentatives Genozid-Mahnmal in Berlin, das der Trauer hierzulande einen Ort gibt, das aber auch den heute hier lebenden Armeniern ein Signal sein kann für ein selbstbewusstes Leben ohne das Trauma des Verlustes, ohne das Gefühl, weiterhin Opfer – Opfer einer gigantischen historischen Lüge – zu sein. Am 100. Jahrestag des Völkermords, am 24. April 2015, soll das Mahnmal eingeweiht werden.

Erinnerung und Mahnung – beides gehört an diesem Tag zusammen. Azat Ordukhanyan, Vorsitzender des Zentralrats der Armenier: „Wir ehren mit dieser Gedenkfeier die Toten, unsere Erinnerung aber ist zugleich auch eine Mahnung an die Zukunft. Nie wieder, nirgendwo auf der Welt, darf sich so etwas wiederholen. Aber klar ist: Nur wer sich eindeutig den Fakten stellt, kann diese Mahnung – ‚Nie wieder!’ – in praktische Politik umsetzen.“ Ankaras Forderungen nach einer Historikerkommission sind, so der ZAD-Vorsitzende, nichts anderes als Teil einer großen Desinformationskampagne mit dem Ziel, die türkische Völkermordlüge zu verlängern. Die Relativierung eines unbestrittenen historischen Verbrechens gegen die Menschheit werde eher eine wahrhaftige und dauerhafte Versöhnung der beiden Völker verhindern. Ordukhanyan: „Soll etwa die unbestrittene Faktizität des Genozids per Mehrheitsbeschluss eines politisch besetzten Gremiums aus den Geschichtsbüchern radiert werden? Eine zynische Idee.“
Der Schatten, der sich vor 95 Jahren auf das Volk der Armenier gelegt hat, wird sich erst lichten, wenn auch die Türkei sich endlich ihrer Geschichte stellt. Die Überlebenden von 1915 und deren Nachfahren müssen nun schon
über mehrere Generationen mit der Völkermordlüge leben. Erzbischof Karekin Bekdjian: “Erst wenn wir die Gräber unserer Toten besuchen können, wenn wir unserer Trauer auch dort Ausdruck geben können, wo sie gelebt haben und wo sie ermordet wurden – erst dann kann die Geschichte ein versöhnliches Ende schreiben.”

– Pressemitteilung –
——–
Zentrale Gedenkfeier zum türkischen Völkermord an den Armeniern im Jahre 1915. Paulskirche Frankfurt, 24. April 2010, 19 Uhr.

Veranstalter: Gruppe24April, eine Initiative des Zentralrats der Armenier in Deutschland (ZAD) und der Diözese der Armenischen Kirche in Deutschland. Kontakt: Ischchan Tschiftdschjan, g24april@zentralrat.org

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