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Ein Kunstwerk? Wer? Oder ein Was?

3. November 2009

als_ich_ein_kunstwerk_war

Was wäre wenn? Was wäre, wenn dich niemand beachtet, und du doch so darauf wartest, wahrgenommen zu werden? Was wäre, wenn dir dann jemand anbieten würde: Gib dich auf und man sieht dich? Wäre das eine Möglichkeit? Oder ist es nur die verführerische Frage eines Dämons? Oder ist es ein Weg, den in der einen oder anderen Weise jeder beschreitet? Eric Emmanuel Schmitt geht diesen tiefgründigen Fragen in „Als ich ein Kunstwerk war“ mit leichter Hand nach. Es ist ein Märchen und es ist eine Satire auf den Kunstbetrieb, der mehr dem Ereignis traut, als der Substanz, der tiefen Aussage eines Künstlers. In gewisser Weise schreibt sich Eric Emmanuel Schmitt wohl den Frust des künstlerischen Alltags von der Seele. Und zugleich löst er den Konflikt mit leichter Hand in ein märchenhaftes Ende auf: 

Tazio ist lebensmüde. Dreimal hat er vereblich Hand an sich gelegt. Diesmal sollte es endlich klappen. Eine ordentliche Klippe, das Meer. Der Abgrund kann nicht grauslig genug sein, um ihn zu verschlingen. Zugleich hat er aber auch eine morbide Schönheit. Wie Mephisto Faust, so rettet Zeus Tazio aus der Verzweiflung mit einem unvergleichlichen Angebot. Und aus 24 geschenkten Stunden wird ein ganzes Leben. Aber gerade dieses Leben wird Tazio, nun Adam Zwei, zum Fluch. Ein neugestaltetes Leben im Rampenlicht, ein fremdbestimmtes Leben. Hat dieses Leben ein Recht auf Leben? Wie weit reichen menschliche Rechte? Wann endet sie? Welche Fähigkeit lässt den Menschen zum Menschen werden? Und wer hat unter welchen Bedingungen das Recht dem Menschen das Menschsein abzusprechen? Eric Emmanuel Schmitt stellt diese Fragen auf einfache, unspektakuläre Weise. Er ergeht sich weder sprachlich noch erzählerisch in den Abgründen. Vieles bleibt offen und ungesagt.

Auch in der Liebe zu Fiona. Als Tazio sie und Hannibal am Meer trifft und bei der Arbeit beobachtet, ist er  in gewisser Weise wiederum an einem toten Punkt angekommen. Ihm selbst, seiner Seele bleiben nur die Stunden am Meer. Zugleich öffnet sich ihm aber in Fiona und ihrem Vater eine neue Dimension: Das Unsichtbare zu sehen, wie es sich zwischen Meer und Himmel vereint. Die Kraft der märchenhaften Hoffnung bricht sich Bahn und löst Tazio/Adam zwei, aber auch Fiona und ihren Vater aus Verkettungen, die das Leben eingrenzen und mit Scheitern bedrohen. Das Märchen überspitzt sich in seiner wunderhaften Auflöung: In der Geburt von zehn Kindern, die Fiona dennoch nicht die Kraft nehmen, als Agentin für ihren Vater weltweit in Erscheinung zu treten.

Eine leichte, philosophische Satire mit märchenhaften Zügen. Aber dennoch eine Geschichte, die Fragen stellt, die diskutiert werden müssen, gerade in einer Zeit, in der Produktionen wie „Deutschland sucht den Superstar“ hohe Einschaltquoten sichern.

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One Comment leave one →
  1. 5. November 2009 21:38

    Das klingt hoch spannend und wirft Fragen auf, die sich wohl jeder schöpferisch tätige Mensch schon einmal gestellt hat. Wie weit würde ich gehen, um Aufmerksamkeit zu bekommen?

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