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Eine offene Frage. Afghanistan

22. September 2009

Die Wogen schlagen hoch. Seit Tagen scheiden sich die Lager in der Diskussion um den Afghanistaneinsatz. Man streitet über die Frage, ob der Einsatz und die Mittel angemessen waren, ob und in welchem Falle welche Menschen hätten sterben dürfen … Und überhaupt: Wer hat was zu verantworten? Sollte man nicht … Hätten die Verantwortlichen nicht … Wäre es nicht zwingend nötig … Auch in Amerika ist der Einsatz mehr als umstritten. Es liegt ein 66-seitiger Bericht vor, in dem, wie man in übersetzten Auszügen lesen kann, immerhin Selbstkritik geübt wird: Es müsse den Soldaten auch möglich sein, in den Lokalsprachen mit den Afghanen zu kommunizieren. Es sei nötig, nicht mehr als besetzende Armee sondern als Gast wahrgenommen zu werden.

Aber die entscheidende Frage bleibt dennoch offen: Wer ist wer? Was tun die Armeen in Afghanistan? Jagen sie noch immer Osama bin Laden? Sind sie zum Aufbau des Landes dort? Wer hat sie gerufen? Wer sind die Aufständischen? Die Afghanen in ihrem eigenen Land? Wer wird gegen wen verteidigt?

McCrystal schreibt: „Wir haben in einer Art und Weise operiert, die uns – physisch und psychologisch – von den Menschen entfernt hat, die wir beschützen wollen.“ Warum beschützen wir Menschen und vor wem? Kann man denn Demokratie und Freiheit nach unseren Maßstäben in ein Land exportieren?

Der Auftrag, den die Bundeswehr in Afghanistan zu erfüllen hat, erscheint von der Ferne und von außen betrachtet mehr als fragwürdig. Fehlen die nötigen Informationen?

Aus dem satten und weitgehend sicheren Deutschland eine Entscheidung zu kritisieren ist leicht. Es kostet nicht viel. Und es lenkt die Blicke auch von der entscheidenden Frage nach dem Sinn der Entsendung ab. Denn die Bundeswehr ist eine Armee, die vom Parlament zu Einsätzen entsandt wird. Sie schickt sich nicht selbst aus. Aus welchem Grund also nimmt das Parlament den Tod afghanischer Zivilisten und deutscher Soldaten in Kauf?

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13 Kommentare leave one →
  1. 22. September 2009 13:03

    Das ist in der Tat eine ausweglose Situation. Aber wie kann man die Truppen abziehen, ohne ein Blutbad zu verantworten? Was geschieht mit den vielen lokalen Verbündeten der NATO-Kräfte, und was ist mit den afghanischen Frauen, die so viel unter dem Taliban-Regime zu leiden hatten? Es ist höchste Zeit, dass die Politik diese konkreten Fragen anspricht, anstatt von der „Verteidigung unserer Freiheit am Hindukusch“ zu faseln.

    • 22. September 2009 15:14

      Es ist sicher schwer eine Antwort auf die vielen Fragen zu finden. Aber solange die Politik sich nicht einmal den Fragen stellt, wird die Lage weiter eskalieren. Ich hoffe noch immer auf eine sachgerechte Diskussion, die das Mandat und die Frage der Zukunft im Blick behält.

  2. gregorhecker permalink
    22. September 2009 16:57

    „Es geht darum, dass Afghanistan heute im Mittelpunkt von Interessen steht und im Großen Spiel eingesetzt wird. Und wenn du nicht daran beteiligt bist, dann wirst du automatisch, egal wie groß du bist und wie stark deine Ambitionen sind, eine zweitrangige Macht und kein Subjekt der Weltpolitik sein.“

    http://gregorhecker.wordpress.com/2009/05/20/afghanistan-in-der-russischen-politik/

    Mit besten Grüßen!

    • 22. September 2009 19:32

      Der verlinkte Artikel ist sehr interessant. Aber die Frage für mich ist doch dennoch, ob und wie man mit anderen Ländern umgeht. Sind denn Länder einfach Spielbälle der Macht, in die man mal eben seinen Krieg exportieren kann? Das mag ja vielleicht naiv sein, aber ich möchte mich mit so einer Art, Politik zu treiben, nicht anfreunden. Es muss andere Wege geben, auch in der Weltpolitik.

      • gregorhecker permalink
        23. September 2009 17:15

        Das ein sehr altes „Spiel“.

        http://de.wikipedia.org/wiki/Great_Game

        Und hier gilt der Satz von Kipling:

        „When everyone is dead the Great Game is finished.“

      • 23. September 2009 21:18

        Und trotzdem: Kommt es am Ende nicht doch auch darauf an, bevor wir alle tot sein werden, wie viele Verlierer das Spiel haben wird? Und wer die Spielregeln bestimmt usw. Auch wenn das „Spiel“ nicht zu gewinnen ist, gibt es viele, mit denen man gemeinsam an einem Strang ziehen sollte, damit nicht wenige das Ruder ganz bestimmen … Also müssen wir weiter diskutieren und abwägen und …

  3. 22. September 2009 19:25

    Zur Ergänzung: Ein Beitrag von Peter Scholl-Latour zu Afghanistan in aspekte:

  4. 23. September 2009 15:34

    Reinhard Erös in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung, 20.08.2009: http://viewmorepics.myspace.com/index.cfm?fuseaction=viewImage&friendID=415887005&albumID=1422002&imageID=19458245„><img src="http://hotlink.myspacecdn.com…/images02/49/62b4aeb8249f4ca8bfbe5987c7a4a87a/m.jpg

  5. 24. September 2009 15:31

    Ich bleibe unbelehrbar der Meinung, dass man Krisen niemals mit Kriegen wird lösen können und Krieg nur zur Selbstverteidigung geführt werden darf. Ich stimme Mesalina und Sch-L. zu, dass die Behauptung, unsere Freiheit werde am Hindukusch verteidigt, absurd ist. Unter der Besatzung werden Wahlen gefälscht, Frauen weiter unterdrückt und außerdem „menschliche Kollateralschäden“ verursacht.

    • 26. September 2009 09:32

      So sehe ich das auch. Säbelrasseln und der Angriff eines Landes hat noch nie wirklich dazu geführt, dass es Menschen besser ergeht. Das gilt für Afghanistan ebenso wie für den Iran. Und es ist unabhängig davon, ob mir die Führer des Landes sympathisch sind. Die Frage ist für mich, wie viel Selbstverantwortung andere haben, haben dürfen. Eine vom Westen vergewohltätigte Welt, in der keine anderen Meinungen und Lebensformen als die unsere mehr existieren dürfen, ist ebenso eine Diktatur, wie andere auch. Und nicht weniger intolerant.

  6. 9. Oktober 2009 19:15

    „Campaign 10 For A Better World“

    Wenn Worte die Kraft haben Welten zu bewegen, dann bewegt ein Wunsch mit Sicherheit die Welt.

    Die Zahl EINS steht für einen Anfang und die Zahl NULL für ein Ende. So sollte die EINS immer für Frieden stehen und die Zahl NULL für das Ende eines jeden Krieges oder Kampfes.

    Ich bitte Sie alle, Sie alle auf der ganzen Welt die Stunde 10 am Morgen oder am Abend dafür zu nutzen, mit mir den Wunsch von Afghanistan Peace Movement zu ihrem Anliegen zu machen, mit den Worten:

    „Wir wünschen AFGHANISTAN und der WELT, WOHLSTAND und FRIEDEN!“

    Ergibt sich daraus, dass wir alle, Menschen auf der ganzen Welt, irgendwann, die Zahlen 1 und 0 oder 10 oder die Uhrzeit 10:00 damit verbinden, der Welt Frieden und Wohlstand zu wünschen, haben wir alle miteinander viel erreicht.

    Finden sich weltweit Menschen, die ab und zu gemeinsam, wo immer sie sind , um 10:00h morgens oder 10:00h abends an Frieden und Wohlstand für die ganze Welt denken, dann umspannen unsere Gedanken den Erdball als ein positves Wunschgewebe zu jeder Zeit. So können wir uns alle auf dieser Welt gegenseitig Schutz bieten, uns Zusammengehörigkeit über alle Ethnien, Religionen und Nationen hinweg vermitteln, ohne uns zu kennen und niemand muss dafür einen Cent aufwenden, noch Umwege gehen oder Barrieren überwinden, denn Gedanken sind frei.

    Wenn ab und zu Künstler in Ihr Programm um 10:00 h abends zwischen eine Darbietung eine halbe oder eine Minute für diesen Wunsch für Frieden und Wohlstand für Afghanistan und die Welt, verbunden mit dem Symbol, der Zahl 10, ermöglichen als Zwischenakt, ist es als geben Sie der Welt den 10ten und jedem einzelnen Menschen ein ganz persönliches Geschenk.

    Afghanistan hat numerologisch die Zahl 10, vielmehr EINS. Und, ich denke, es liegt ein Sinn darin, dass dieses Land für Frieden stehen kann und beginnenden Wohlstand äusserlich, wie auch innerlich.

    Ich bitte Sie, mich zu unterstützen, diesen Wunsch, die Gedanken und das Symbol, die Zahl 10, in die Welt zu tragen, zu verbreiten und zu Ihrer Sache zu machen. Ich danke dafür von ganzem Herzen.

    Janan Karim

    für

    Afghanistan Peace Movement

    http://www.afghanistan-peace-movement.org

  7. 21. Oktober 2009 20:51

    Am 7.11., 20.00 Uhr findet das zweite Benefizkonzert zugunsten der „Kindernothilfe Afghanistan“ in Leipzig, im „Anker“ statt:
    <a href=" „>

  8. 16. November 2009 18:30

    Heute in der Zeit:
    http://www.zeit.de/2009/47/oped-Powell

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