Skip to content

Aus der Ferne unter harztropfenden Tannen. Über den Dichter Julius Mosen

18. September 2009

Julius Mosen

Ein wenig spöttisch nennt man es das „kleine zänkische Bergvolk am Rande der Alpen“, wenn man es nicht gleich in Sachsen, Thüringen und Franken aufgehen lässt. Trotzig erheben die Vogtländer seit Jahr und Tag ihr Haupt und widerstehen allen Tendenzen, aufgesaugt zu werden. Einer der die Liebe zur Heimat zu einer seiner literarischen Grundthemen werden ließ, war Julius Mosen: Er liebte sein Heimat. Über die Vogtländer sagt er, sie seien „sächsischen Tyroler, nur genügsamer, nur regsamer, nur hartnäckiger in Verfolgung ihres Zieles, doch ebenso bieder, wenn auch derber“. Und über das Land: Es müsse „dort weit hinten in der Ferne unter den harztropfenden Tannen, dort wo die Berge terrassenartig in dunkler Bläue emporsteigen, irgendein Geheimnis verborgen sein, das uns an sich lockt und sich uns gern enthüllen möchte“. Er stand für die Freiheit des zerrissenen deutschen Landes ein. Und er lebte seine Herkunft als Deutscher und Jude in einer heute nicht mehr zu findende selbstverständlichen Symbiose.

Sein Vater, Johannes Gottlob Moses arbeitete als Kantor und Schulmeister der jüdischen Gemeinde von Marieney im Vogtland. Julius Moses, der älteste von fünf Geschwistern, wuchs dort auf und besuchte ab 1817 das Gymnasium in Plauen (Vogtl.). Ab 1822 studierte er Jurisprudenz und Philosophie in Jena und trat im gleichen Jahr in die Burschenschaft ein. In dieser Zeit entstanden die ersten Gedichte, mit denen er an die Öffentlichkeit trat und die ihn schnell bekannt machten. Ein Festgedicht für die 50-jährige Jubelfeier des Fürsten Karl August fand sogar den Beifall Johann Wolfgang von Goethes.

Das Thema der Burschenschaften, ihre Frage nach der Freiheit, entwickelte sich zum prägenden Thema für das Leben Julius Mosens. Diesem ist auch sein wohl bekanntestes Lied gewidmet: das sog. Andreas-Hofer-Lied „Zu Mantua in Banden“, das dem in Mantua hingerichteten Tiroler Freiheitskämpfer ein Denkmal setze und bis heute Nationalhymne des österreichischen Bundeslandes Tirol ist. Auf einer Italienreise (1825/26), die ihm ein wohlhabender Freund ermöglichte, empfing er wesentliche Anregungen für seine Werke.

Nach der Rückkehr aus Italien setzte er das unterbrochene Studium in Leipzig fort und schloss es 1828 ab. Sein Weg führt ihn zunächst nach Markneukirchen. Er selbst sagt über seine Zeit in Markneukirchen, er habe „mit gequälter Seele den juristischen Haarzopf flechten lernen“. Diese Zeit ist für ihn die härteste seines Lebens gewesen. 1831 konnte er eine Stelle als Gerichtsschreiber in Kohren bei Leipzig annehmen und so der schwierigen Lage entkommen. Eine Erinnerungstafel am Poetenweg in Kohren-Sahlis nennt ihn, neben Gellert als einen der bedeutendsten Spaziergänger auf diesem Weg.

1834 machte sich Julius Mosen als Advocat in Dresden selbstständig. Dort traf er auf rege und von den politischen Alltagsthemen bewegte Künstler wie Richard Wagner, Gottfried Semper und den Orientalisten Hermann Brockhaus. Aber auch Ludwig Uhland und Hoffmann von Fallerleben zählten zu seinen Gästen. 1840 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät Jena für seine Verdienste für die deutsche Dichtkunst. Damit stellte ihn die Fakultät in eine Reihe mit anderen bedeutenden – bis heute bekannten ‑ Zeitgenossen, wie beispielsweise Robert Schumann. Im gleichen Jahr verlobte er sich mit Minna Jungwirth, deren Vater bereits 1825 verstorben war, und heiratete sie 1841. Sie nahm an seinem Schaffen intensiv Anteil.

In das Zentrum seines literarischen Schaffens trat neben den Dichtungen für die unterdrückten Nationen, die den Burschenschaften sehr am Herzen lagen (z. B. „Polonia“, das für das unterdrückte Polen eintritt und der zweibändige Roman „Der Congress von Verona“, der die Erhebung der Griechen gegen die Türken thematisiert) der Einsatz für ein deutsches Nationaltheater. Dabei stand für ihm die Liebe zur Heimat im Mittelpunkt. Ein wie auch immer gearteter Nationalismus war ihm fremd. 1844 wurde Julius Moses als Dramaturg an das Hoftheater nach Oldenburg berufen. Sein Traum war die Schaffung eines deutschen Mustertheaters. Im gleichen Jahr musste er entsprechend eines Dresdner Ministerialerlasses seinen Namen in Mosen ändern.

Zwei Jahre später, 1846, erkrankte Julius Mosen an einer rheumatischen Erkrankung, die ihn zunehmend ans Bett fesselte. Zweiundzwanzig Jahre pflegte seine Frau ihn und zog die beiden Söhne groß. Seine Erinnerungen, an denen er ab 1848 arbeitete, blieben unvollendet. Zunehmende Lähmungen grenzten seinen Lebensraum ein. Neben den körperlichen Einschränkungen litt er vor allem unter dem fast völligen Verlust der Sprache. Freunde bemühten sich um eine Gesamtausgabe seiner Werke, die 1863 erschien. 1867 starb Julius Mosen hochgeehrt in Oldenburg und wurde dort beigesetzt.

Advertisements
3 Kommentare leave one →
  1. 18. September 2009 21:41

    Ein wunderschönes Porträt. Ich wusste bisher garnichts von Mosen, obwohl in Plauen überall sein Name auftaucht. Danke für die Erhellung!

    • 19. September 2009 07:13

      Danke! Er ist zu unrecht beinahe vergessen. Vielleicht stelle ich in nächster Zeit ein, zwei seiner Gedichte in den Blog.

  2. 21. September 2009 10:18

    Ein würdiges Porträt eines großen Dichters! Ich würde seine Gedichte und seine weiteren Schriften gerne lesen…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: