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In memoriam. Für den Leipziger Theologen Otto-Ernst Drephal

23. August 2009

Am 20. August 2009 verstarb der Leipziger Theologe Otto-Ernst Drephal. Er wurde am Freitag, dem 28. August 2009, auf dem Friedhof in Leipzig-Gundorf  beigesetzt.

Otto-Ernst Drephal war für viele, auch für mich, ein streitbarer Begleiter und Lehrer. Eine seiner Andachten wurden an verschiedenen Stellen veröffentlicht. Sie gilt auch jetzt:

Das Wort, das ich mir nicht selbst sagen kann …

Es gibt Situationen, die so ausweglos zu sein scheinen, dass in ihnen nichts mehr zu erwarten ist. Dann verliere ich die Hoffnung und bekomme Angst.

Das Kreuz auf Golgatha sollte das Ende sein: der endgültige Abbruch aller Beziehungen zu diesem Christus. Sie brachten ihn um, nur weil er allen Menschen helfen wollte, ihre Angst im Vertrauen auf Gottes Liebe zu überwinden.

Wir haben vor Augen: Der an das Kreuz geschlagenen Christus in der Mitte, neben ihm zwei schuldige, verurteilte Menschen. Einer von ihnen, der aufgehört hat sich selbst zu rechtfertigen, vor sich selbst und vor anderen, macht eine wunderbare Erfahrung: Jesus wendet sich nicht von ihm ab, sondern er stellt eine nicht mehr zerstörbare neue Beziehung her, als er ihm sagt: Noch heute wirst du mit mir bei Gott sein. Du wirst von nun an geborgen sein und bleiben in der Treue Gottes.

Wo durch unsere Lieblosigkeit die Beziehungen untereinander und zu Gott abbrechen, da schafft nur Gottes Lieben neue Beziehungen, neues Leben. Darin ist Gott so unbeschreiblich groß, dass er sich so tief auf uns einlässt; keiner soll so tief fallen, als dass er nicht auch dort noch den lebendigen – von Angst befreienden – Gott erfahren kann.

Gottes Liebe ist wirklich des Menschen am besten begründetet Hoffnung; auf sie kann ich mich mitten im Leben auch dann noch verlassen, wenn ich alles loslassen muss. Ganz realistisch: Das ist wunderbar!

Dieses Wort, das uns hilft, das können wir uns nicht selber sagen: Noch heute wirst du mit mir bei Gott sein, zu Gott zurückfinden. Aber wir können es uns sagen lassen.

Ob wir heute neu hören, damit es uns zu Menschen werden lässt, die von Herzen froh sind und zuversichtlich bleiben?

Otto-Ernst Drephal

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8 Kommentare leave one →
  1. Hendrik Uhlmann permalink
    25. August 2009 11:24

    Tief betroffen habe ich die Nachricht vom Tode Otto-Ernst Drephals erhalten. In letzten Tagen habe ich mich sehr oft an die gemeinsamen Stunden in Röbel und Leipzig erinnert. Und auch wenn die Trauer momentan unbeschreiblich groß ist, überwiegen doch schon langsam die postiven, hilf- und lehrreichen Erinnerungen. Ich stehe in tiefer Dankbarkeit vor dem Leben und Wirken Ottos und möchte mich auf diesem Wege noch einmal für die gemeinsame Zeit bedanken.

    Hendrik Uhlmann, Hamburg

    • Christine Heydenreich permalink
      7. September 2009 21:35

      Hallo Hendrik, ich bin die Schwiegertochter von Propst Heydenreich in Röbel. Ich kannte Otto seit 1977, mein Mann Johannes ist hier in unserem Pfarrhaus mit Otto und denThomanern aufgewachsen. Otto war für mich der ältere Bruder – ich habe ihn vereehrt und geliebt. Die Verbundenheit zwischen ihm und meinen Schwiegereltern war etwas ganz Besonderes. Mein Mann und ich waren zur Beerdigung in Leipzig und ich weiss, dass mit Otto auch ein Stück Röbel gestorben ist.
      Ich glaube, dass Otto zur Legende wird – und das ist gut so!!!

  2. Wetzig, MIchael permalink
    29. August 2009 13:49

    Otto-Ernst Drephal hat meine Jugend in Leipzig und Röbel von 1971-1979 entschieden geprägt durch sein zum kritisch konstruktiven Leben aufforderndes Vorbild in der Christenlehre und bei Rüstzeiten. Unvergessen sind z.B. Abende, wo über die Aussagen „Unser Weg ist richtig!“ und „Weise mir, Herr, deinen Weg.“ nachgedacht wurde. Nicht zuletzt seine religiösen Auslegungen haben mit dazu beigetragen, dass ich ein gläubiger Mensch bin, wohl wissend, dass „Gott viele hat, die die Kirche nicht hat“… Otto war ein wichtiger Ratgeber und Sinnstifter in einer Zeit der Selbstfindung meines Lebens, und ich bin ihm dankbar für alles, was ich mit ihm erleben durfte. Möge der Friede des Herrn, den er im Leben oft gesucht hat, jetzt bei ihm sein und ihm das ewige Licht leuchten!

    Michael Wetzig, Halle/Saale

  3. Alexanderblog permalink
    5. September 2009 09:00

    Die Nachricht vom Tod Otto Drephals hat mich betroffen und sehr traurig gemacht. Einige Jahre meines Kindseins und dem, was ihr folgte, war Otto – eigentlich als einziger Erwachsener – für mich wirklich da und bot mir Halt. Bei ihm habe ich gelernt, dass ich es wert bin, dass man mir zuhört. Diese Erfahrung hat meinem Leben eine neue Richtung gegeben. Danke, Otto!
    Alexander Behrens

  4. Matthias Kirschner permalink
    6. September 2009 18:37

    Was ein Mensch an Gutem
    in die Welt hinausgibt,
    geht nicht verloren.

    Albert Schweitzer

    Ich habe Herrn Drephal in den Jahren 1995-1999 als Religionslehrer
    am Max-Klinger-Gymnasium Leipzig kennengelernt und bin sehr dankbar,
    diese Erfahrung gemacht zu haben. Obwohl immer kritisch, streitbar und im positivem Sinne stets „unangepasst“, werde ich nie vergessen, wie plastisch und tiefgehend er uns ernste wie auch hoffnungsvolle Themen von Mensch- und Christsein nahe bringen konnte.

    Eine beeindruckend ermutigende Erfahrung, die mich – wie sicher viele andere auch – noch lange begleiten wird!

    Die Nachricht von seinem Tod kam auch für mich überraschend und
    macht mich betroffen und traurig. Seine Familie hat mein tiefes Mitgefühl.

    Matthias Kirschner,
    Leopoldshöhe

  5. Heino Knobloch permalink
    17. September 2009 14:09

    Ich habe Otto Ernst Drephal 1971 kennengelernt. Bis 1976 war ich wöchentlich in seinem kreis. Das ich im sozialistischen System nicht völlig verblödet bin,habe ich ihm zu verdanken. Er war für mich der wichtigste Lehrer, den ich jemals hatte.-Und sreiten konnte man gut mit ihm!!! Als Kern des Evangeliums lehrte er, dass nichts, aber auch gar nichts von der Liebe Gottes trennen kann.die in Jesus zu uns gekommen ist-nun kann er sehen was er geglaubt hat. Bruder Drephal ich habe dich lieb gehabt. Heino Knobloch ,Wismar

  6. 22. September 2009 08:41

    Ich danke allen, die sich hier geäußert habe und allen, die das Gedenken an Otto unterstützen. Es wäre schön, wenn seine Texte in irgendeiner Weise erfasst und zugänglich gemacht werden könnten. Deshalb würde ich mich freuen, wenn jeder, der Andachten oder andere Otto-Texte besitzt, sich mit mir in Verbindung setzt und wir schauen, wie sie vielleicht sinnvoll zu bewahren wären.

  7. thino hönemann permalink
    6. April 2010 20:28

    Immer konkret. Ordnung Zucht und Sitte. Der Gegner ernst nehmen. Redlichkeit. Ein Drephal-Jjünger wie die meisten Thomasser war ich nicht. In Schleußig galten andere Regeln. Als Sohn einer Grundbesitzerfamilie hatte ich von Otto viel lernen können. Worte wie Diaspora, und seine Zahlenstrahlhypothese werden immer positiv in meiner Erinnerung bleiben. Inwieweit konkrete Stasi Vorwürfe haften bleiben , entzieht sich meinen Kenntnis.

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