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Schlämmermania

21. August 2009

Wer hätte das gedacht, 18 % „könnten sich vorstellen“, wie an vielen Stellen zu lesen ist, „Horst Schlämmer zu wählen“. Horst Schlämmer, den Mann mit dem einen Wahlprogramm: Er selbst; wer auch sonst. Liberal, konservativ und links. Beliebtheit sicher wachsend. Wann hat in letzter Zeit eine deutsche Komödie derart die Schlagzeilen gefüllt? Selbst notorische Kinoverweigerer kommen nicht umhin, zumindest den Namen zu kennen. Internetnutzer kennen ihn sowieso. Aber selbst in den Blogs der großen Tageszeitungen taucht Horst Schlämmer an ganz seriöser Stelle auf – und ist beliebt wie umstritten.
Darf man das: In einer heißen Wahlkampfphase einen solchen Film in die Kinos zu bringen? Ist es nicht vielleicht doch unmoralisch? Und das gerade jetzt, mitten in der Politikverdrossenheit, der täglich neu beschworenen. Ganz offensichtlich trifft die Kunstfigur (oder sollte man schon Kultfigur sagen?) den Nerv der Zeit. Und der Film stellt Fragen, die gestellt werden müssen: Was heißt es in dieser Zeit Politik für ein Land zu machen? Was ist vermittelbar? Und wie viel Vertrauen habe ich in die Menschen, die Verantwortung übernehmen? Erweisen sie sich dieses Vertrauens würdig? Und wie kann das aussehen, sich würdig zu erweisen?
Der Film stellt seine Fragen im Hintergrund und heiter, denn wie schon Alt-Vater Brecht wusste, „sollte Kunst ein Mittel der Erziehung sein“, aber „Vergnügen“ bereiten. Ob man die Form, die Hape Kerkeling gewählt hat, mag oder nicht, er stellt die Fragen der Zeit und sie werden verstanden. Antworten kann ein solcher Film nicht geben. Sie sind von jedem Einzelnen täglich neu zu finden. Und sie sollten so gefunden werden, dass sie das nationale Gefüge unseres Landes aufbauen und nicht zerstören. Zumindest so viel sollten alle, Bürger und Politiker, Normalos, Künstler und Presse aus dem Desaster der Weimarer Republik gelernt haben.
Es ist gut, sich über das Was, Wie und Wohin unseres Landes jetzt, im Vorfeld der Wahl, auseinanderzusetzen. Denken bevor man handelt, ist besser als später das Nachsehen zu haben. Dass die Politikunlust nicht beängstigend sein muss und durchbrechbar ist, beweisen die weitreichenden Diskussionen, die der Film auslöst. Wenn Hape Kerkeling mit Horst Schlämmer zum Nachdenken und zu neuer Beweglichkeit beiträgt, ist das Projekt HSP gelungen.

Irgendwer wird in den nächsten Wochen von sich sagen: Ich bin Ihr neuer Bundeskanzler. Dann „weisse Bescheid …“  – und hoffentlich nicht nur das.

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2 Kommentare leave one →
  1. 22. August 2009 10:37

    Ist die Verschlämmerung nun eine Verschlimmerung der politischen Lage oder eine Verbesserung?
    Jedenfalls ist er ein Schlitzohr, der Hape!

    • 22. August 2009 11:44

      Tja, das ist so eine Frage. Eine Verschlimmerung, denke ich, eher nicht. Aber er legt den Finger in die Wunde. (Sonst würde vermutlich nicht so viele jaulen …) Und ob es besser wird??? Keine Ahnung.
      Ja, er ist ein Schlitzohr. Und seine Imitationen macht er gut. Das muss man ihm einfach lassen.

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