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Stellt euch vor, es ist Krieg …

5. Juli 2009

… und keiner schaut hin. Was wäre das für ein Krieg! Aber ist es nicht genau das, was in Deutschland geschieht, was gewollt ist und nur an wenigen Stellen und viel zu selten aufbricht? 7200 Menschen, Soldaten, an zehn Einsatzorten weltweit. Und gerade mal der eskalierende Konflikt in Afghanistan führt in der Presse zu ausführlicheren Diskussionen. Erst vor wenigen Tagen wurde erstmals von „Gefallenen“ gesprochen. Es ist Krieg. Und Deutschland ist mittendrin. Nur, dass wir hier nicht viel davon merken. Die Bilder der drei gefallenen Soldaten werden schnell genug aus der Erinnerung schwinden. Die Bilder all der anderen hat sie vielleicht nicht einmal für wenige Tage erreicht.
Wer spricht heute schon noch davon, dass wir Frieden brauchen. Es geht um – so sagt man – Sicherheitspolitik, um Wahrung der Interessen, um einen Kampf gegen den Terror, der gerade durch diesen Kampf mehr und mehr angeheizt wird. Es gehe um Wiederaufbau und Entwicklungshilfe. Aber welcher Wiederaufbau wird mit Bomben erreicht? Und welche Entwicklungshilfe kann Menschen wirklich Unterstützung bringen, wenn sie von einigen, vielleicht auch vielen, der Hilfeempfänger als Einmischung und als Besatzungsfolge erlebt wird? Wer sind die Aufständischen und wer die Verteidiger? Was ist das für eine Demokratie die nicht aus dem Willen der Gemeinschaft wächst, sondern von außen als einzig möglicher weg importiert wird? Die Sprache der Macht verrät. Sie verschleiert die Kriege. Gibt sie auch den letzten Rest Wahrheit preis?
Gebe ich ihn preis? Bin ich bereit darüber nachzudenken, was ein Verzicht an Macht in diesem Bereich für Deutschland, für mein Leben bedeuten könnte? Oder geht es mir wie in dem alten Lied von Matthias Claudius: S’ist Krieg und ich begehre, / nicht schuld daran zu sein?
Der Wunsch nach einem wirklichen Hinsehen und ein Insistieren auf Wahrheit ist in einem Superwahljahr von der Regierung nicht zu erwarten. Dennoch ist dieser Protest nötig. Und es muss ein Protest von unten sein.

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