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Deutschland, Amerika und zurück

4. Juli 2009

Wirtschaftskrisen sind kein Phänomen unserer Tage. Vermutlich sind sie so alt wie die Menschheit. Nur verblasst ihr Eindruck und hinterlässt manchmal einen romantischen Schein auf eine Generation, die es wagte auf- und auszubrechen, die neu anfing. Die Romantik, die durch Auswanderer-Dokumentationen auf einigen Sendern häufig weiter geschürt wird, verliert ihren Heiligenschein, schaut man auf die realen Wanderungsbewegungen. Der Traum vom besseren Leben wird oft genug in der Not geboren. Vielleicht herrscht im eignen Land Krieg. Hunger oder Arbeitslosigkeit treiben die Menschen aus der Heimat in eine – hoffentlich – bessere Welt. Wirtschaftsflüchtlinge. Doch wer würde nicht aufbrechen, um wenigstens das eigene Leben und das seiner Kinder zu retten? Der Traum vom Aufbruch in eine bessere Welt ist auch ein amerikanischer Traum. Die Sehnsucht nach einer neuen Welt, einer heileren Welt, einer Welt, in der man es vom Schuhputzer oder Tellerwäscher zum Millionär schaffen kann.

Schule in Amerika 1880

Schule in Amerika 1880

Konzeption und Autorenschaft dafür liegen in den Händen des deutsch-amerikanischen Autors A. Wallis Lloyd. In Bildern und Texten wird er Einblicke in das ungewöhnliche und doch für amerikanische Verhältnisse völlig normale Leben seiner Familie geben: Die Wurzeln seiner Familie liegen in Deutschland. Die Ahnen stammen aus der Gegend um Nürnberg und um Rudolstadt. Ein anderer Zweig der Familie ist eng mit Wales verbunden.

Die Familientradition bewahrt den Bericht der vermutlich ersten Überfahrt aus dem Jahr 1621. Lawrence Peele, 1601 irgendwo in England geboren, fuhr von Southampton aus nach Amerika. Nach der Umschiffung in Barbados wurde der Segler von spanischen Korsaren angegriffen. Lawrence Peele kam gerade mit dem Leben davon. Die Hälfte der Besatzung, auch der Kapitän fanden ein grausiges Ende. Nur wenig später, nach der Landung in Elisabethtown (heute Norfolk), Virginia, überlebte er den großen Indianerangriff, dem fünfzig Prozent der weißen Bevölkerung zum Opfer fiel. Etwa vierzig Prozent aller Neuankömmlinge starben innerhalb eines Jahres an Epidemien und Entbehrungen.

Jahrhunderte später, Mitte des 19. Jahrhunderts, zog der deutsche Zweig der Familie nach Amerika. 1832 wurde durch eine neue Verordnung die Auswanderung nach Amerika aus den deutschen Ländern deutlich leichter. Diese Verordnung war eine notwendige Reaktion auf die immer schwieriger werdenden Verhältnisse. Die Bevölkerung in Europa wuchs von 24,5 Millionen im Jahr 1800 auf 35,4 Millionen im Jahr 1850. Die Wirtschaft war, nach den Jahren des Krieges zu Beginn des 19. Jahrhunderts und in den zersplitterten deutschen Ländern nicht in der Lage, die Menschen ausreichend zu versorgen. Für viele lag die Hoffnung für das nackte Überleben jenseits des Meeres. Auf die neue Verordnung folgte ein Ansturm, der 1847/48 einen Höhepunkt erreichte. Auch ein Teil der Familie von A. Wallis Lloyd gehört zu den sogenannten 48ern. Der Ansturm hatte seinen Preis. Die Schiffe waren unzureichend ausgestattet, hatten oft keinen Arzt an Bord, nur ungenügende sanitäre Anlagen, kaum Rettungsboote. Allein 20.000 Menschen starben in diesen beiden Jahren auf den Schiffen während der Überfahrt.

Bis etwa zum Beginn des 1. Weltkrieges stieg die Auswanderung fast ungemindert an. In Hamburg entstand eine eigene Auswandererstadt auf der Veddel, die Vereinigten Staaten von Amerika versuchten der Einwanderungsflut 1892 mit der Gründung der berühmt-berüchtigten Bundeseinwanderungsstelle auf Ellis Island Herr zu werden. Bis heute gilt Amerika als das Einwanderungsland schlechthin. Bis heute reisen Deutsche aus vielen Gründen nach Amerika aus und suchen dort nach der Erfüllung ihrer Hoffnungen.

Aber mittlerweile gibt es auch einen anderen Trend: Etwa 4% der Einwanderer nach Deutschland sind Amerikaner. Damit standen sie z. B. im Jahr 2007 an dritter Stelle, nach Polen und Rumänen. Auch A. Wallis Lloyd ist gewissermaßen nach Deutschland zurückgekehrt. Seine Einwanderung nach Deutschland ist eine Wendegeschichte der besonderen Art, die sich über die Jahre 1987 bis 1991 hinzog. Sie begann mit seinem Studium im Süden Deutschlands, einem Besuch auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, unter anderem auch in der Nähe von Wurzen, der Geburt seiner Kinder. Sie war überschattet von der Trennung der beiden deutschen Staaten und ihrer Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Machtblöcken.

Seit 1991 lebt A. Wallis Lloyd dauerhaft in Berlin, seit vielen Jahren mittlerweile als freier Autor und Übersetzer. Die Geschichte seiner Familie hat ihn geprägt und ist durch die besonderen Umstände seines Lebens zu seiner eigenen Geschichte geworden. Die Ausstellung „Der fremde Blick ‑ der Wahlberliner Autor A. Wallis Lloyd und seine Heimat Amerika“ wird einen Einblick in diese besondere Beziehung zu zwei Kontinenten geben.

Ausstellungseröffnung am 09.07.2009, 9.30 Uhr bis 12.00 Uhr, im Familienlocal des Kinder-, Jugend- und Familienzentrum Grünau, Liliensteinstr. 01, 04207 Leipzig, www.caritas-leipzig.de

Kontakt zu A. Wallis Lloyd über www.awallislloyd.de oder www.interpretberlin.de

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